- ensuite | kulturagenda | enBlog - https://ensuite.we-are.gmbh/ -

Dif­fe­ren­zen bei der Neu­re­ge­lung des Anzeigerwesens

Der Regie­rungs­rat des Kan­tons Bern will, dass kan­to­na­le Ver­öf­fent­li­chun­gen in den amt­li­chen Anzei­gern wei­ter­hin kos­ten­los publi­ziert wer­den. Er möch­te zudem den Anzei­gern die Mög­lich­keit eröff­nen, auch redak­tio­nel­le Bei­trä­ge zu ver­öf­fent­li­chen. Der Gros­se Rat wird eine ent­spre­chen­de Teil­re­vi­si­on des Gemein­de­ge­set­zes in der Janu­ar­ses­si­on 2010 beraten.

Im Rah­men einer Teil­re­vi­si­on des Gemein­de­ge­set­zes sol­len die heu­te dich­ten Vor­ga­ben des Kan­tons im Anzei­ger­we­sen gelo­ckert und redu­ziert wer­den. In der Ver­nehm­las­sung wur­de die Vor­la­ge mehr­heit­lich posi­tiv auf­ge­nom­men. Kon­tro­vers beur­teilt wur­de in ers­ter Linie die Fra­ge, ob amt­li­che Publi­ka­tio­nen von kan­to­na­len Stel­len in den amt­li­chen Anzei­gern der Gemein­den gra­tis blei­ben oder neu kos­ten­pflich­tig wer­den sol­len. Die vor­be­ra­ten­de Kom­mis­si­on des Gros­sen Rates ent­schied, dass kan­to­na­le Ver­öf­fent­li­chun­gen künf­tig grund­sätz­lich kos­ten­pflich­tig in den Anzei­gern publi­ziert wer­den soll­ten. Die Kom­mis­si­on möch­te zudem die Ver­öf­fent­li­chung von redak­tio­nel­len Bei­trä­gen im nicht­amt­li­chen Teil der Anzei­ger dahin­ge­hend ein­schrän­ken, dass unent­gelt­lich publi­zier­te redak­tio­nel­le Bei­trä­ge ver­bo­ten werden.

Der Regie­rungs­rat bean­tragt nun dem Gros­sen Rat, dass kan­to­na­le Ver­öf­fent­li­chun­gen wie bis­her kos­ten­los in den amt­li­chen Anzei­gern publi­ziert wer­den soll­ten. Die schwie­ri­gen finanz­po­li­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen sowie die Tat­sa­che, dass kan­to­na­le Ver­öf­fent­li­chun­gen, ins­be­son­de­re Stel­len­in­se­ra­te, wesent­lich zur Attrak­ti­vi­tät und Popu­la­ri­tät der amt­li­chen Anzei­ger bei­tra­gen, recht­fer­ti­gen es aus Sicht des Regie­rungs­rats, an der bis­he­ri­gen, bewähr­ten Rege­lung fest­zu­hal­ten, zumal ein Wech­sel zur Kos­ten­pflicht für den Kan­ton mit erheb­li­chen Mehr­kos­ten ver­bun­den wäre. Wei­ter möch­te es der Regie­rungs­rat den Anzei­gern ermög­li­chen, künf­tig im nicht­amt­li­chen Teil auch redak­tio­nel­le Bei­trä­ge zu veröffentlichen.

Neben der Neu­re­ge­lung des Anzei­ger­we­sens sieht die Teil­re­vi­si­on des Gemein­de­ge­set­zes auch gewis­se Prä­zi­sie­run­gen bei den Bestim­mun­gen zu den Regio­nal­kon­fe­ren­zen sowie Anpas­sun­gen im Bereich der kan­to­na­len Finanz­auf­sicht über die Gemein­den und bei der ver­mö­gens­recht­li­chen und dis­zi­pli­na­ri­schen Ver­ant­wort­lich­keit in den Gemein­den vor. Die­se Ände­run­gen waren in der Ver­nehm­las­sung und in der vor­be­ra­ten­den gross­rät­li­chen Kom­mis­si­on unbestritten.

Der Gros­se Rat wird die Vor­la­ge in der Janu­ar-Ses­si­on 2010 in ers­ter Lesung bera­ten. Die Teil­re­vi­si­on des Gemein­de­ge­set­zes soll vor­aus­sicht­lich im Herbst 2010 in Kraft treten.

Text­quel­le: Press­text Regierungsrat

Anmer­kung der Redak­ti­on: Nicht erwähnt wird in die­sem Zusam­men­hang, dass seit dem 1. Okto­ber 2009 der amt­li­che Anzei­ger auch Ver­lag für die Ber­ner Kul­tur­agen­da ist. Fakt ist, dass die Ber­ner Kul­tur­agen­da bereits zum drit­ten Mal die Ver­le­ger­schaft gewech­selt hat und sich jeweils durch öffent­li­ches Geld (direkt, wie indi­rekt) finan­zie­ren lässt. Die Dis­kus­si­on dreht sich jetzt also dar­um, dass die einen den Anzei­ger in die publi­zis­ti­sche Frei­heit las­sen möch­ten, dass die­ser dru­cken kann, was er will, aber sel­ber für die Finan­zen zustän­dig ist. Auf der ande­ren Sei­te ste­hen will man den Amts­an­zei­ger ein­schrän­ken, damit die­ser nur noch als Amts­blatt und als Wer­be­blatt funk­tio­nie­ren kann. Das heisst dann eben, dass die Ber­ner Kul­tur­agen­da in die­ser Form jetzt nicht mehr mög­lich wäre. Aus­ser, sie wür­de sich wie­der vom Ver­lag lösen und für die Bei­la­ge im Anzei­ger effek­tiv bezahlen.

Bei­des ist ein Fias­ko: Den Anzei­ger allei­ne auf den Wer­be­markt zu las­sen, wird die Tame­dia auf den Plan rufen. Ein sol­cher Kon­kur­rent wür­de da nicht tole­riert. Das hat man mit NEWS und «.ch» bereits gese­hen. Dem Anzei­ger wie­der­um fehlt das nöti­ge Kapi­tal für einen Wer­be­krieg und wür­de unwei­ger­lich den Kür­ze­ren ziehen.

Als rei­nes Amts­blatt mit PR-Tex­ten wür­de die Attrak­ti­vi­tät des Blat­tes auf den Null­punkt sin­ken. Zwar wäre der amt­li­che Auf­trag gewähr­leis­tet und das Über­le­ben der Zei­tung gesi­chert. Die­se Vari­an­te ist mit Sicher­heit die poli­tisch kor­rek­te­re, denn sie respek­tiert den Markt­wett­be­werb. Aber die­se Vari­an­te wäre auch ein gros­ses Pro­blem für die Ber­ner Kulturagenda.

Es lau­fen jetzt die ers­ten Gesprä­che und Bera­tun­gen. Febru­ar 2010 wird’s richten.