Die unver­stan­de­nen Staa­ten: Ame­ri­ka hat gewählt

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Von Dr. Regu­la Stämpf­li – Unse­re Essay­is­tin hat zu Donald Trump ein enges Ver­hält­nis. Als Ers­te präg­te sie 2017 den Begriff «Trum­pis­mus», schrieb dazu zwei Jah­re spä­ter einen Best­sel­ler und rech­ne­te mit den mit Per­so­na­li­sie­rung, Brands und Pola­ri­sie­rung ope­rie­ren­den Medi­en ab. Dies neh­men ihr die Jour­na­lis­ten bis heu­te übel. Wes­halb sie 2024 mit dem «Case against Kama­la Har­ris» die US-Wah­len ganz anders sieht als alle ande­ren – wie, lesen Sie hier. 

«Ich glau­be, ich hät­te einen ver­flucht guten Hit­ler abge­ge­ben.» Die­ses Zitat stammt nicht etwa von Donald Trump, son­dern von David Bowie aus dem Jahr 1976. Es ist im Kult­buch «Sex Revolts» über Musik und Poli­tik der USA zu fin­den. Von «Hit­ler» war 2024 auch viel die Rede. Es war lei­der die ein­zi­ge Wahl­mo­bi­li­sie­rung der unter­ir­disch schlech­ten Kam­pa­gne der Demo­kra­ti­schen Par­tei. «Hit­ler» wur­de gewählt, und zwar mit einem Erd­rutsch­sieg, der in der Geschich­te der USA fast ein­ma­lig ist.

Wie konn­te es so weit kommen?

«It is the codes, stu­pid!» Barack Oba­ma war der ers­te Smart­phone-Prä­si­dent, Donald Trump der ers­te Twit­ter-Prä­si­dent, Joe Biden der letz­te klas­si­sche Prä­si­dent. Seit dem 5. Novem­ber 2024 sind wir nicht mehr bei den Medi­en­prä­si­den­ten, son­dern im neu­en «Zeit­al­ter digi­ta­ler Repro­duk­ti­on» ange­kom­men. Die­ses kom­bi­niert Codes und «real world» in Echt­zeit. Donald Trump bespiel­te im Wahl­kampf alle codier­ten Medi­en und kom­bi­nier­te sie mit rea­len Auf­trit­ten: Pod­casts, sozia­le Netz­wer­ke, You­tube, Tik­tok, ein bis­serl Face­book, viel Truth Social, noch mehr X/Twitter, ab und an Fox. Gleich­zei­tig tour­ten er und sein desi­gnier­ter Vize J.D. Van­ce durchs Land wie Rock­stars. Die­se Kom­bi, «codes and rea­li­ty», brach­te den Erd­rutsch­sieg. Kama­la Har­ris ver­füg­te zwar über ein fünf­fa­ches Bud­get, unglaub­li­che 1 Mil­li­ar­de Dol­lar, doch die Wah­len ver­lor sie haus­hoch, und das Wahl­kampf­team schreibt bis zum Redak­ti­ons­schluss rote Zah­len. Wo sind denn die­se Mil­lio­nen hin­ge­flos­sen? Das Team Har­ris, von den Oba­mas instal­liert – die Wahl­kampf­lei­te­rin, die Polls­ter, die Social-Media-Füt­te­rer sind seit 2008 für die Demo­kra­ti­sche Par­tei enga­giert –, hat auf klas­si­sche Medi­en gesetzt. Und zwar fast voll­stän­dig. Kein Wun­der, berich­te­ten die Fern­seh­sen­der alle so wohl­wol­lend über Kama­la Har­ris! Sie mach­ten mit der Kan­di­da­tin der Demo­kra­ten ein Ver­mö­gen. Das letz­te wohl in einem US-Präsidentschaftswahlkampf.

Das Har­ris-Team soll sogar eini­ge Inter­views gekauft haben. Doku­men­tiert sind Spen­den an Oprahs Pro­duk­ti­ons­fir­ma – die wird es ja auch nötig haben – und an «Call Her Dad­dy». Letz­te­res ist ein Sex-Pod­cast, dem Kama­la Har­ris die Zusa­ge gege­ben hat, weil sie nicht zum bekann­tes­ten Pod­cas­ter, Joe Rogan, einem Neu­rech­ten mit lin­ker Ver­gan­gen­heit, woll­te. Wäh­rend Joe Rogan mit Donald Trump über 30 Mil­lio­nen Zuhö­ren­de erreich­te, plau­der­te Kama­la Har­ris im Sex-Pod­cast – wirk­lich, echt jetzt? – übers «Frau­sein» und ande­re Beschwer­den. Sie erreich­te damit eine sich selbst völ­lig über­schät­zen­de Fema­le Com­mu­ni­ty mit den übli­chen Frau­en­the­men, die ganz nor­ma­le Frau­en echt belei­di­gen. Mei­nen die Pop-up-Girls jun­gen und mitt­le­ren Alters echt, dass «Abtrei­bung» das ein­zig wich­ti­ge The­ma von Frau­en ist? Was ist mit Lohn­gleich­heit und Kar­rie­re­pos­ten? Wo blieb die Dis­kus­si­on um struk­tu­rel­le Gewalt? Und über­haupt: Wes­halb war die Gen­der-Apart­heid im Iran, in Afgha­ni­stan, in Sau­di-Ara­bi­en bspw. kein The­ma? Was sol­len die Atta­cken jun­ger, post­ko­lo­ni­al indok­tri­nier­ter Frau­en bspw. auf die bür­ger­li­chen Suf­ra­get­ten? Ohne die­se Hel­din­nen der Geschich­te könn­ten die gestyl­ten Influen­ce­rin­nen von heu­te immer noch nicht stu­die­ren, ein eige­nes Kon­to füh­ren, arbei­ten und das Geld davon auch behal­ten! Punk­to Frau­en haben die meis­ten Frau­en lei­der immer noch kei­ne Ahnung – and it shows. Die gan­ze Unter­hal­tung war ober­pein­lich. Wo blieb die sub­stan­zi­el­le Dis­kus­si­on dar­über, dass Frau­en auch im Wes­ten wenig medi­en­prä­sent sind, aus­ser sie bedie­nen «Body-Poli­tics» – Stich­wort Kim Kar­da-shi­an? Wes­halb sind die Ärms­ten der Armen allein­er­zie­hen­de Müt­ter? Wes­halb ist der Finanz­sek­tor immer noch ein Boys’ Club mit all­tag­spor­no­gra­fi­scher Gesprächs­kul­tur? Wo blei­ben all die «self-made fema­le mil­lionaires»? Was in aller Welt ist eigent­lich im Macho-Sili­con-Val­ley los? Fra­gen über Fra­gen, kei­ne gestellt, kei­ne the­ma­ti­siert. Das Gespräch von Har­ris bei «Call Her Dad­dy» – allein der Titel die­ses Pod­casts ist frau­en­be­lei­di­gend – gab auch den hin­ter­letz­ten Frau­en das Gefühl: Kama­la Har­ris hat kei­ne Poli­tik, sie kann nichts ande­res als Kama­la Har­ris. Welch Schan­de für die Frau­en! Denn wie schon bei Hil­la­ry Clin­ton, auch eine fehl­plat­zier­te Kan­di­da­tin, wer­den ame­ri­ka­ni­sche Möch­te­gern-Prä­si­den­tin­nen von der Pres­se hoch­ge­ju­belt, um dann umso tie­fer zu fal­len. Und zwar so, dass sich die Män­ner ziem­lich pri­mi­tiv gegen­sei­tig auf die Schen­kel klop­fen kön­nen. Oder wird von Frau­en ein­fach mehr erwar­tet als von Män­nern? Mit Blick auf den Erfolg von «Call Her Dad­dy» in den USA möch­te ich dies zwar vehe­ment ver­nei­nen, trotz­dem: Dar­an ist etwas. Vor allem in Ame­ri­ka. Denn wenn Amis die Wahl zwi­schen einer Frau und einem Clown haben, dann gewinnt immer der Clown.

Die kra­chen­de Nie­der­la­ge von Kama­la Har­ris muss den­noch Weck­ruf blei­ben. Frau­en haben für die wich­tigs­ten Ämter die­ser Welt nur dann eine Chan­ce, wenn sie tat­säch­lich eben­so qua­li­fi­ziert sind wie ihr männ­li­cher Kon­kur­rent. Nun wer­den die meis­ten ein­wer­fen, Kama­la Har­ris sei ja wohl tau­send­mal bes­ser qua­li­fi­ziert gewe­sen als der oran­ge Clown und Rea­li­ty-TV-Star Trump. Nun, so ein­fach soll­ten wir es uns nicht machen. Donald Trump hat an einer bes­se­ren Uni stu­diert als Kama­la Har­ris. Donald Trump hat mehr Exe­ku­ti­v­er­fah­rung als Har­ris. Donald Trump wur­de in meh­re­ren Wahl­ver­fah­ren gewählt, Har­ris immer zuerst ernannt und dann ein­fach bestä­tigt. Donald Trump war in die­sem Wahl­jahr über­all prä­sent, Har­ris ver­steck­te sich in Eli­te­zir­keln. Es kommt noch eines hin­zu: Frau­en in den USA sind einer der­art star­ken Por­no­gra­fi­sie­rung des All­tags durch Spra­che, Memes und Kul­tur aus­ge­setzt, dass sie sich die­ser Domi­nanz meist unter­wer­fen: in Ges­tus, Fri­sur, Figur, Klei­dung und Stim­me. Tja. Har­ris war defi­ni­tiv kei­ne gute Kan­di­da­tin, ande­rer­seits zeigt ihr Bei­spiel wie­der: Auf eine US-Prä­si­den­tin müs­sen wir wohl noch Jahr­zehn­te war­ten. Am ehes­ten wird das Ren­nen wohl eine Trans­frau machen – was eigent­lich alles sagen wür­de über den Zustand der Gleichstellungspolitik.

Was lief denn so schief?

Obwohl mit Kama­la Har­ris die ers­te schwar­ze Frau für das höchs­te Amt in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten kan­di­dier­te, waren «Frau­en als Frau­en» kein The­ma. Ging es um Sex, Ver­hü­tung, Fami­lie und Kar­rie­re, benutz­te die demo­kra­ti­sche Wahl­ma­schi­ne das Gen­der-Speak einer Min­der­heit. Die­ses Neu­sprech mögen die meis­ten Unter- und Mit­tel­schicht­sa­mis nicht. Latinx? Eine abstru­se Fehl­kon­struk­ti­on extrem links­to­ta­li­tä­rer Sprach­fe­ti­schis­ten. Der Begriff hat­te in den Wah­len kei­ne Chan­ce. Frau­en wähl­ten Kama­la Har­ris nicht – dar­an gibt es nichts zu rüt­teln. Frau­en wähl­ten Kamal Har­ris nicht nicht, weil sie eine Frau war – das haben sicher­lich vie­le Män­ner getan –, son­dern weil Har­ris kei­ne The­men aus­ser «Abtrei­bung» bewarb. Die ers­te Eupho­rie für Kama­la Har­ris als ers­te nicht weis­se weib­li­che Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­tur leg­te sich dann nach den ers­ten Wochen auch sofort. Vor allem auch des­halb, weil Kama­la Har­ris kaum öffent­li­che Auf­trit­te pfleg­te und wenn, die­se dann in pein­li­chen Wort­sa­lat-Ant­wor­ten, Ner­vo­si­tät und Inkom­pe­tenz ende­ten. Har­ris war stän­dig über­for­dert, und das könn­te, unbe­kannt in der Öffent­lich­keit, damit zu tun haben, dass Joe Biden Kama­la Har­ris hin­ter ihrem Rücken enorm scha­de­te. Erin­nern Sie sich an die Müll-Geschich­te? Rich­tig. Da beschimpf­te Biden Trumps Wäh­ler als «Müll». Spä­ter wur­de die­ser Aus­spruch mit «Klam­mern» kor­ri­giert, doch bis dahin war Trump schon als Müll­mann ver­klei­det bei den Müll­män­nern auf der Stras­se. Zudem wirk­te noch ein ande­rer Fak­tor zuun­guns­ten von Kama­la Harris:

Von Joe Biden erzählt man sich, er habe die Kan­di­da­tur von Har­ris bewusst hin­ter­trie­ben. Biden war bis zum Schluss der Über­zeu­gung, dass nur er Donald Trump besie­gen kön­ne. Nach dem desas­trö­sen TV-Duell mit Trump wur­de Biden aber von Nan­cy Pelo­si und den Oba­mas, den füh­ren­den Kräf­ten der demo­kra­ti­schen Par­tei­ma­schi­ne, gegen sei­nen Wil­len zum Rück­tritt als Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat gezwun­gen. Des­halb schwärm­te Oba­ma nach dem State­ment von Joe Biden auf X sofort vom «kom­men­den Par­tei­tag als Chan­ce eines Neu­be­ginns». Doch Barack Oba­ma hat­te die Rech­nung ohne den alten Hau­de­gen Biden gemacht. Denn die­ser ver­kün­de­te zur gros­sen Über­ra­schung aller, dass sei­ne Dele­gier­ten­stim­men direkt an sei­ne her­aus­ra­gen­de Vize­prä­si­den­tin Kama­la Har­ris gehen wür­den. Pelo­si und den Oba­mas blieb gar nichts ande­res übrig, als die Krö­te zu schlu­cken und schnell auf hei­le demo­kra­ti­sche Welt zu machen.

So war das Desas­ter vor­pro­gram­miert, und sie­he da: Die lau­ten Que­re­len inner­halb der Par­tei der Demo­kra­ten nach dem Erd­rutsch­sieg von Donald Trump schei­nen die­se The­se zu stüt­zen. Statt in den Spie­gel zu schau­en, beschimp­fen sich nun die Demo­kra­tin­nen und Demo­kra­ten gegenseitig.

Kama­la Har­ris’ Kan­di­da­tur könn­te also von Beginn weg die Chro­nik eines ange­kün­dig­ten Ver­sa­gens gewe­sen sein.

Zurück zu den Frau­en, denn die ent­schie­den über die US-Elec­tions 2024. Die weib­li­chen Nor­mies – nor­ma­le, nicht gen­der­be­weg­te Frau­en – ver­wei­ger­ten sich dem polit­me­cha­ni­schen Kal­kül der Oba­mas voll­stän­dig. Die­ses lau­te­te: Frau­en wäh­len immer Frau­en – Bull­shit. Frau­en und Män­ner wäh­len gene­rell weni­ger Frau­en, doch wer will schon die Wahr­heit, wenn die Ideo­lo­gie bes­ser klingt? Die Mehr­heit der ame­ri­ka­ni­schen Frau­en wähl­te nicht die «Dea ex Machina»-Kandidatin von der Par­tei­eli­te Gna­den, son­dern sie wähl­ten The­men: Infla­ti­on, Migra­ti­on und Anti-Woke und somit das Pro­gramm von Donald Trump. Die­ser, cle­ver wie eh und je, erfand die Welt nicht neu, son­dern bedien­te sich bei sei­nen Slo­gans gewis­sen­los am alten Pro­gramm der Par­tei der Demo­kra­ten der USA. Des­halb wider­setz­te sich Trump so vehe­ment einem unge­zü­gel­ten Frei­han­del – für ihn waren die Arbei­ter wich­tig. Auch direkt aus den Wahl­pro­gram­men der ehe­ma­li­gen Demo­kra­ten stammt Trumps Ana­ly­se der «Kriegs­mü­dig­keit der Ame­ri­ka­ne­rin­nen und Ame­ri­ka­ner». Trump klang zwi­schen­durch wie ein Anti­kriegship­pie, wenn er über die Krie­ge der Welt sprach. Trump setz­te sich für Schutz­zöl­le, gegen die Migra­ti­on in die Unter­schich­ten, für die Bekämp­fung von Kri­mi­na­li­tät und für den klas­si­schen Wohl­stand auf­grund von Leis­tung ein. Alles The­men, die ehe­mals die Demo­kra­ten bewirt­schaf­te­ten. Trump konn­te auch extrem leicht den Kul­tur­kampf inner­halb der Lin­ken zu sei­nen Guns­ten ver­keh­ren. Das Mot­to Trumps war immer: gegen die Funk­tio­nä­re, für die Basis. Über zwei Drit­tel der Gewerk­schafts­an­ge­hö­ri­gen sol­len laut Exit-Polls für Trump und nicht für Kama­la Har­ris gestimmt haben. Ein schon fast erdrü­cken­der Anteil.

Und den­noch schrei­en Medi­en, Wis­sen­schaft und demo­kra­ti­sche Par­tei immer noch «Faschis­mus». Die Wei­ge­rung der Libe­ra­len, Lin­ken und Pro­gres­si­ven, in den absur­den Spie­gel von «gutem Krieg» (Ukrai­ne), «schlech­tem Krieg» (gegen Isra­el), von Sprech- und Denk­ge­bo­ten bei gleich­zei­ti­ger Bevor­mun­dung von Nicht­in­tel­lek­tu­el­len oder Anders­den­ken­den zu schau­en, ist gro­tesk. Und an die Adres­se der Lin­ken gewandt habe ich schlech­te Nach­rich­ten: Der Erd­rutsch­sieg von Donald Trump war kein «faschis­ti­scher Feld­zug», son­dern ein gelun­ge­ner Wahl­kampf­mix von The­men, die Instru­men­ta­li­sie­rung von Codes und die gleich­zei­ti­ge Prä­senz mit Tau­sen­den von Men­schen. Title 9 war innen­po­li­tisch ein wirk­lich wich­ti­ges The­ma. Die Biden-Har­ris-Admi­nis­tra­ti­on hat damit, grad zu Beginn ihrer Amts­zeit, Trans­mäd­chen und Trans­frau­en im Frau­en­sport zuge­las­sen. Tau­sen­de von Pod­casts, Tik­tok-Bei­trä­gen und Dis­kus­sio­nen inner­halb der Frau­en­grup­pen berich­te­ten dar­auf­hin von der Gefahr für Mäd­chen im Schul­sport und vom «Dieb­stahl» unzäh­li­ger Medail­len durch Trans­frau­en. Wäh­rend die «NY Times», MSNBC und CNN die Olym­pia­de in Paris als gelun­ge­nes Fest fei­er­ten, inklu­si­ve Beju­beln der Boxe­rin aus Alge­ri­en, die sehr ein­drück­lich und mit höchs­ter Bru­ta­li­tät ihre Kon­kur­ren­tin­nen weg­box­te, lie­fen die sozia­len Medi­en heiss. Die «Lega­cy-Media» beschimpf­te alle Kri­ti­ke­rin­nen von Tran­sen im Frau­en­sport als «Faschis­tin­nen», «Terfs» und als «Repu­bli­ka­ne­rin­nen». Die­se Medi­en ahn­ten nicht, dass sie damit allen Frau­en scha­den. So wähl­ten denn am 5. Novem­ber 2024 die Frau­en auch nicht wie üblich die Demo­kra­ti­sche Par­tei, son­dern Donald Trump! Aus­ge­rech­net! Wech­sel­wäh­len­de, so die Exit-Polls, wur­den nicht durch Infla­ti­on und Migra­ti­on, son­dern durch Kul­tur­the­men über­pro­por­tio­nal mobilisiert.

Medi­en, Wis­sen­schaft und Kul­tur sche­ren sich jedoch nicht um Rea­li­tät, son­dern behar­ren auf ihrem hege­lia­ni­schen Welt­bild: Drif­ten Theo­rie und Rea­li­tät aus­ein­an­der, umso bedau­er­li­cher für die Rea­li­tät. Des­halb ver­ste­hen auch euro­päi­sche Medi­en den Auf­stieg von Geor­gia Melo­ni und Mari­ne Le Pen nicht. Es waren die Frau­en als Wäh­le­rin­nen, die ihre übli­chen Par­tei­en – Grü­ne, Lin­ke, Libe­ra­le – abwähl­ten. Statt sich mit den Frau­en aus­ein­an­der­zu­set­zen, pol­tern indes­sen alle Medi­en und Exper­ten über den in ihren Augen ange­bo­re­nen US-ame­ri­ka­ni­schen Ras­sis­mus und Sexis­mus. Schon 2022 ent­wi­ckel­te ich in «Die Pod­cas­tin» die Theo­rie des «Natio­nal­fe­mi­nis­mus», damals für die «Neue Zür­cher Zei­tung». Dies auf die empör­te Fra­ge des Jour­na­lis­ten, wes­halb denn Frau­en «immer» gegen ihre eige­nen Inter­es­sen wäh­len wür­den. Well: Frau­en wäh­len nicht gegen ihre eige­nen Inter­es­sen, weil «eige­ne Inter­es­sen» viel­fäl­ti­ger sind als die Geschlechts­zu­ge­hö­rig­keit. Und wie gesagt: Män­ner und Frau­en wäh­len ein­fach immer weni­ger Frau­en. Geor­gia Melo­ni, Mari­ne Le Pen, Geert Wil­ders – sie alle wer­den, wie Donald Trump, in einer Mehr­heit von Frau­en (und Män­nern) gewählt. Viel­leicht ist es nicht ein­mal ein «dafür wäh­len», son­dern eher ein «dage­gen»: gegen Par­tei­en, die Frau­en in den letz­ten Jah­ren so expli­zit betro­gen («es gibt kei­ne Frau­en»), aus­ge­beu­tet («Sex­ar­beit und Leih­mut­ter­schaft sind ganz nor­ma­le Jobs») und beschimpft (Terfs, Nazi, Faschis­tin) haben.

Die Wah­len in den USA zei­gen: Frau­en spie­len in den west­li­chen Demo­kra­tien eine so viel wich­ti­ge­re Rol­le, als dies der Main­stream erkennt. Dabei wäre es höchs­te Zeit, mal bei den Frau­en nach­zu­fra­gen, wes­halb sie wann wen wie wählen.

Bari Weiss, die Grün­de­rin der Free Press, hat es in ihrem TED-Talk erst kürz­lich so for­mu­liert: Sie sei, als sie zum letz­ten Mal genau hin­ge­guckt habe, eine Femi­nis­tin, eine klas­si­sche Dem-Wäh­le­rin, eine Befür­wor­te­rin der «Ehe für alle», für die Ent­kri­mi­na­li­sie­rung von Dro­gen und für eine all­ge­mei­ne Gesund­heits­ver­si­che­rung gewe­sen. All dies sei ihr immer noch wich­tig, doch für die demo­kra­ti­sche Par­tei, für eine lin­ke Bubble und in den «Lega­cy-Media» gel­te sie trotz­dem als Rechts­extre­me, wes­halb? Weil Bari Weiss Frau­en nicht als Sprech­ak­te sieht, den Islam als Tod­feind für die Demo­kra­tie benennt und nicht etwa Isra­el und die Pro­no­men ihres Gegen­übers nicht wich­ti­ger fin­det als des­sen Aussagen.

Kurz: Anfang Novem­ber 2024 haben ent­ge­gen dem Geschrei in Medi­en, Kul­tur und an den Uni­ver­si­tä­ten die Nor­mies gewon­nen. Sie wer­den zwar als Faschis­ten beschimpft, doch wenn alle wie Hit­ler sind, spielt es ja auch kei­ne Rol­le mehr, oder?

Das Wich­tigs­te in Kürze

Kama­la Har­ris ver­füg­te über eine per­fekt geschmier­te demo­kra­ti­sche Oba­ma-Kam­pa­gnen-Maschi­ne, die 2024 abrupt gestoppt wur­de. Die letz­ten zehn Jah­re US-Innen­po­li­tik wer­den im his­to­ri­schen Rück­blick als die «Erobe­rung der Extre­me» in die Geschich­te ein­ge­hen. Es ist die para­do­xe Inter­ven­ti­on aus­ge­rech­net von Donald Trump, die die­se per­ver­se Pola­ri­sie­rung west­li­cher Gesell­schaf­ten durch den Erd­rutsch­sieg, ermög­licht von Nor­mies, gebro­chen wur­de. Die US-Wah­len 2024 waren nicht in ers­ter Linie ein Votum für den Ex-Prä­si­den­ten, Ex-Rea­li­ty-Star, Ex-Con­vict, son­dern ein über­wäl­ti­gen­des Votum für mehr Nor­ma­li­tät, die da heisst: weni­ger Infla­ti­on, weni­ger Migra­ti­on, weni­ger Woke­ness. Phi­lo­so­phisch auf den Punkt gebracht, zeig­ten die US-Elec­tions 2024: «Hegel ist tot, es lebe Han­nah Arendt.»


Kata­stro­pha­le geo­po­li­ti­sche Bilanz der Biden-Harris-Administration

Iran 2020: Ent­ge­gen jeder geo­po­li­ti­schen Ver­nunft been­de­te die Biden-Har­ris-Admi­nis­tra­ti­on die Blo­cka­de gegen die isla­mo­fa­schis­ti­sche Repu­blik Iran. Dies ermög­lich­te den anti­se­mi­ti­schen Got­tes­krie­gern die Refi­nan­zie­rung der Aus­lö­schungs­stra­te­gie gegen Isra­el und gegen den Wes­ten. Dank der Öff­nung des Irans umging Russ­land sämt­li­che Sank­tio­nen. Der Iran lie­fer­te dar­über hin­aus das ent­spre­chen­de Kriegs­ma­te­ri­al, u. a. die mör­de­ri­schen Droh­nen; Russ­land lie­fer­te im Gegen­zug die wich­ti­gen Satel­li­ten­da­ten für die Ter­ro­ris­ten Hut­hi, Hamas und His­bol­lah. Der gan­ze Schla­mas­sel wur­de von der Volks­re­pu­blik Chi­na finan­ziert. Und es flos­sen Bil­lig­gas, Bil­lig­öl, Bil­lig­waf­fen in Mil­li­ar­den­hö­he und die Bil­lig­fi­nan­zie­rung von einer anti­de­mo­kra­ti­schen Rich­tung in die ande­re. Fun­fact neben­bei: Die Biden-Har­ris-Admi­nis­tra­ti­on strich zudem die Hut­hi von der Ter­ror­lis­te, geil, nicht wahr?

Afgha­ni­stan 2021: Der Rück­zug von US-Trup­pen aus Afgha­ni­stan im Som­mer 2021, der die Stein­zeit-Dik­ta­tur und den Geschlech­ter-Apart­heid­staat der Tali­ban wie­der an die Macht brach­te, wur­de zwar von Donald Trump ange­kün­digt, von der Biden-Har­ris-Admi­nis­tra­ti­on aber voll­zo­gen. Cha­os, Inkom­pe­tenz, Tau­sen­de von Toten und die schlimms­te Nie­der­la­ge der USA seit dem Viet­nam­krieg waren die Fol­ge. Die abso­lut erbärm­li­che Per­for­mance der demo­kra­ti­schen Regie­rung bot den Auf­takt zum Agie­ren der «AG der Auto­kra­ten», die die offen­sicht­lich gra­vie­ren­den mili­tä­risch-stra­te­gi­schen Schwä­chen der USA voll ausnutzte.

Ukrai­ne-Krieg 2022: In «Ame­ri­can Woman» beschreibt die Autorin, wie Jill Biden im Janu­ar 2022, nach einer mehr­stün­di­gen Pres­se­kon­fe­renz ihres Gat­ten, bei der sie aus­nahms­wei­se nicht vor Ort war, ins Oval Office stürm­te und alle Anwe­sen­den zusam­men­stauch­te. Denn der schon ange­schla­ge­ne Joe Biden hat­te Russ­land regel­recht zum Angriff auf die Ukrai­ne ein­ge­la­den. Auf die Fra­ge der Jour­na­lis­ten, wie der US-Prä­si­dent die Lage Russ­land-Ukrai­ne ein­schät­ze, mein­te er in völ­li­ger Ver­ken­nung der Lage, die Dro­hung mit wirt­schaft­li­chen Sank­tio­nen wer­de einen Ukrai­ne-Krieg defi­ni­tiv ver­hin­dern. Die Nach­fra­ge, ob die USA mili­tä­risch ein­grei­fen wür­de, ver­nein­te Joe Biden vehe­ment. Dies war qua­si der Start­schuss für Putin.

Isra­el 2023: Die Biden-Har­ris-Admi­nis­tra­ti­on hat Isra­els Erfol­ge mit den ara­bi­schen Staa­ten im «Abra­ham Accord» ein­fach lie­gen las­sen, nicht wei­ter­ver­han­delt und statt­des­sen auf die Ver­nich­tung der gewähl­ten Koali­ti­ons­re­gie­rung unter Netan­ja­hu gesetzt. Die Pro­tes­te der israe­li­schen Zivil­be­völ­ke­rung gegen die geplan­te Jus­tiz­re­form des radi­ka­len Rechts­po­li­ti­kers Netan­ja­hu wur­den von der Biden-Har­ris-Admi­nis­tra­ti­on kom­mu­ni­ka­tiv und inter­na­tio­nal geschürt. Selbst nach dem Angriff der Hamas am 7. Okto­ber 2023 auf Isra­el bestand die Stra­te­gie von Biden-Har­ris nicht auf der Alli­anz­bil­dung gegen die Isla­mo­fa­schis­ten, son­dern die Regie­rung arbei­te­te via Netan­ja­hu-Kri­ti­ker und Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Ben­ny Gantz nach wie vor auf den Sturz Netan­ja­hus hin. So war es fol­ge­rich­tig, dass Netan­ja­hu nur einen Tag nach dem Trump-Erd­rutsch­sieg sofort sei­nen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter entliess.



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