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Der Will­kür ein Bein gestellt

april2013be(Lukas Vogel­sang) – Kul­tur­för­de­rung ist tückisch. Das wis­sen wir unter­des­sen. Es braucht neben den Geset­zen immer auch eine gros­se Por­ti­on Mensch­lich­keit und Intel­li­genz. Selbst­ver­ständ­lich brau­chen wir die­se Ele­men­te nicht nur in der Kul­tur­för­de­rung, son­dern in allem was Men­schen tun. In der Kul­tur­för­de­rung müs­sen wir aber lei­der oft spe­zi­ell dar­auf hin­wei­sen. Sie, lie­be Lese­rIn­nen, erin­nern sich viel­leicht an unse­re ensuite-Jubi­lä­ums­ak­ti­on, allen Poli­ti­ke­rIn­nen in Bern und Zürich (Stadt‑, Gemein­de-und Kan­tons­rä­tIn­nen) das Abon­ne­ment zu schen­ken. Eine Akti­on, die sehr gut ange­lau­fen ist und in der Grund­idee von einer Bemer­kung von Bern­hard Pul­ver, Ber­ner Regie­rungs­rat aus­ging. Vom Amt für Kul­tur dazu auf­ge­for­dert, haben wir ein Jubi­lä­ums­pro­jekt ein­ge­ben dür­fen, und haben uns eine finan­zi­el­le Mit­hil­fe für die­se Abos gewünscht. Ein Betrag, der im Anbe­tracht der Sache mar­gi­nal ist – für uns aber eine wich­ti­ge Finan­zie­rungs­hil­fe dar­stellt. Nach 4 Mona­ten liegt uns vom Kan­ton eine Absa­ge an die­ses Pro­jekt vor, in Form einer Ver­fü­gung mit einer sehr frag­wür­di­gen Posi­ti­on: «(…) Gemäss kan­to­na­lem Kul­tur­för­de­rungs­ge­setz ist die öffent­li­che Zugäng­lich­keit eines Pro­jek­tes eine wich­ti­ge Vor­aus­set­zung für die Unter­stüt­zung (Art. 7 Abs. 2 KKFG). Die­ses Kri­te­ri­um erfüllt Ihr Pro­jekt nicht.»

Mit ande­ren Wor­ten: Die Kul­tur­ver­mitt­lung zwi­schen Kul­tur und Poli­tik, so wie sie Regie­rungs­rat Bern­hard Pul­ver öffent­lich erwähnt und gefor­dert hat, ist nicht öffent­li­ches Inter­es­se. Schlim­mer noch, ich lese dar­aus, dass gar Kul­tur­po­li­tik, oder zumin­dest die Poli­tik als sol­ches, nicht von öffent­li­chem Inter­es­se ist. Das ist inso­fern absurd, weil doch das Amt für Kul­tur dem Bern­hard Pul­ver und damit direkt der Poli­tik unter­stellt ist. 240 Ber­ner- Poli­tik-Abos (pro Monat) sind also weni­ger «öffent­lich», als wenn eine Thea­ter­päd­ago­gin in einer Schul­klas­se mit viel­leicht 18 Kin­dern einen Work­shop durch­führt, sowas wird näm­lich geför­dert. Eine Kul­tur­för­der­lo­gik, die ich beim bes­ten Wil­len nicht nach­voll­zie­hen kann. Und wenn wir die­se Logik nicht öffent­lich dis­ku­tie­ren, bleibt «Will­kür» das ein­zig logi­sche Gesetz in der Kul­tur­för­de­rung. Ich weiss, dass ich mit die­ser «Absa­ge» nicht allei­ne bin und es zeigt deut­lich, dass noch viel Arbeit in den Ämtern geleis­tet wer­den muss. Die Aus­le­gung von Geset­zen ist eine heik­le Ange­le­gen­heit und endet nicht sel­ten eben in die­ser hoff­nungs­lo­sen Ohn­macht der eige­nen Hei­mat gegen­über. Irgend­wie auch ein fas­zi­nie­ren­des Paradox.

Ich arbei­te aber lie­ber lösungs­ori­en­tiert. Und es ist erkenn­bar, dass die­se Will­kür in einem unsin­ni­gen und per­sön­li­chen Macht­kampf mit dem Kan­ton Bern aus­ar­tet. Was tut man in einer sol­chen Situa­ti­on? Man defi­niert sich neu. Als unab­hän­gi­ges und beob­ach­ten­des Medi­en­un­ter­neh­men in Sachen Kul­tur set­zen wir uns also in die ers­te Rei­he, neh­men die Ver­ant­wor­tung für die­se Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit in der Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen der Kul­tur und Poli­tik defi­ni­tiv zum Anlass und ver­schen­ken per sofort das Abon­ne­ment auch an alle Natio­nal- und Stän­de­rä­te. Wenn der Kul­tur­dia­log in der Schweiz auf einem solch tie­fen Niveau geführt wird, müs­sen wir den Dia­log erst recht ankur­beln, und an die Poli­tik und an die Kul­tur Denk­an­stös­se geben. Die­se Ver­mitt­lungs­platt­form von ensuite ist damit in die­ser Form abso­lut ein­ma­lig für die Kul­tur in der Schweiz. Das heisst, ensuite – kul­tur­ma­ga­zin hat sich als klei­ner Nischen­play­er eine neue Start­po­si­ti­on gegeben.

Nen­nen Sie es Dumm­heit oder Mut – ich per­sön­lich bin über­zeugt, dass wir mit die­ser Akti­on nach 10 Jah­ren ein wür­di­ges Jubi­lä­ums­denk­mal set­zen. Mir kann man nicht vor­wer­fen, dass ich den Dia­log nicht suche, oder dass ich kei­ne Kom­pro­mis­se ein­ge­he. Aber man lässt mich auch nicht ein­fach im Regen ste­hen – das tue ich schliess­lich auch nie­man­dem an. Ich glau­be, dass wir mit die­ser Jubi­lä­ums­ak­ti­on ein unmiss­ver­ständ­li­ches Zei­chen set­zen, und dass es wirk­lich Zeit ist, gemein­sam über unse­re Kul­tur zu reden.

Ps: Wir suchen neue För­der­mit­glie­der, die uns hel­fen, die­se Finan­zie­rung mit uns zu tei­len. Wer­den Sie För­der­mit­glied oder spen­den Sie uns einen Bei­trag, den Sie für ange­mes­sen hal­ten. Die gesam­te Jubi­lä­ums­ak­ti­on hat einen Abo-Gegen­wert von ins­ge­samt 58‘000 Franken.

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