(Lukas Vogelsang) – Kulturförderung ist tückisch. Das wissen wir unterdessen. Es braucht neben den Gesetzen immer auch eine grosse Portion Menschlichkeit und Intelligenz. Selbstverständlich brauchen wir diese Elemente nicht nur in der Kulturförderung, sondern in allem was Menschen tun. In der Kulturförderung müssen wir aber leider oft speziell darauf hinweisen. Sie, liebe LeserInnen, erinnern sich vielleicht an unsere ensuite-Jubiläumsaktion, allen PolitikerInnen in Bern und Zürich (Stadt‑, Gemeinde-und KantonsrätInnen) das Abonnement zu schenken. Eine Aktion, die sehr gut angelaufen ist und in der Grundidee von einer Bemerkung von Bernhard Pulver, Berner Regierungsrat ausging. Vom Amt für Kultur dazu aufgefordert, haben wir ein Jubiläumsprojekt eingeben dürfen, und haben uns eine finanzielle Mithilfe für diese Abos gewünscht. Ein Betrag, der im Anbetracht der Sache marginal ist – für uns aber eine wichtige Finanzierungshilfe darstellt. Nach 4 Monaten liegt uns vom Kanton eine Absage an dieses Projekt vor, in Form einer Verfügung mit einer sehr fragwürdigen Position: «(…) Gemäss kantonalem Kulturförderungsgesetz ist die öffentliche Zugänglichkeit eines Projektes eine wichtige Voraussetzung für die Unterstützung (Art. 7 Abs. 2 KKFG). Dieses Kriterium erfüllt Ihr Projekt nicht.»
Mit anderen Worten: Die Kulturvermittlung zwischen Kultur und Politik, so wie sie Regierungsrat Bernhard Pulver öffentlich erwähnt und gefordert hat, ist nicht öffentliches Interesse. Schlimmer noch, ich lese daraus, dass gar Kulturpolitik, oder zumindest die Politik als solches, nicht von öffentlichem Interesse ist. Das ist insofern absurd, weil doch das Amt für Kultur dem Bernhard Pulver und damit direkt der Politik unterstellt ist. 240 Berner- Politik-Abos (pro Monat) sind also weniger «öffentlich», als wenn eine Theaterpädagogin in einer Schulklasse mit vielleicht 18 Kindern einen Workshop durchführt, sowas wird nämlich gefördert. Eine Kulturförderlogik, die ich beim besten Willen nicht nachvollziehen kann. Und wenn wir diese Logik nicht öffentlich diskutieren, bleibt «Willkür» das einzig logische Gesetz in der Kulturförderung. Ich weiss, dass ich mit dieser «Absage» nicht alleine bin und es zeigt deutlich, dass noch viel Arbeit in den Ämtern geleistet werden muss. Die Auslegung von Gesetzen ist eine heikle Angelegenheit und endet nicht selten eben in dieser hoffnungslosen Ohnmacht der eigenen Heimat gegenüber. Irgendwie auch ein faszinierendes Paradox.
Ich arbeite aber lieber lösungsorientiert. Und es ist erkennbar, dass diese Willkür in einem unsinnigen und persönlichen Machtkampf mit dem Kanton Bern ausartet. Was tut man in einer solchen Situation? Man definiert sich neu. Als unabhängiges und beobachtendes Medienunternehmen in Sachen Kultur setzen wir uns also in die erste Reihe, nehmen die Verantwortung für diese Orientierungslosigkeit in der Kommunikation zwischen der Kultur und Politik definitiv zum Anlass und verschenken per sofort das Abonnement auch an alle National- und Ständeräte. Wenn der Kulturdialog in der Schweiz auf einem solch tiefen Niveau geführt wird, müssen wir den Dialog erst recht ankurbeln, und an die Politik und an die Kultur Denkanstösse geben. Diese Vermittlungsplattform von ensuite ist damit in dieser Form absolut einmalig für die Kultur in der Schweiz. Das heisst, ensuite – kulturmagazin hat sich als kleiner Nischenplayer eine neue Startposition gegeben.
Nennen Sie es Dummheit oder Mut – ich persönlich bin überzeugt, dass wir mit dieser Aktion nach 10 Jahren ein würdiges Jubiläumsdenkmal setzen. Mir kann man nicht vorwerfen, dass ich den Dialog nicht suche, oder dass ich keine Kompromisse eingehe. Aber man lässt mich auch nicht einfach im Regen stehen – das tue ich schliesslich auch niemandem an. Ich glaube, dass wir mit dieser Jubiläumsaktion ein unmissverständliches Zeichen setzen, und dass es wirklich Zeit ist, gemeinsam über unsere Kultur zu reden.
Ps: Wir suchen neue Fördermitglieder, die uns helfen, diese Finanzierung mit uns zu teilen. Werden Sie Fördermitglied oder spenden Sie uns einen Beitrag, den Sie für angemessen halten. Die gesamte Jubiläumsaktion hat einen Abo-Gegenwert von insgesamt 58‘000 Franken.
Nehmen Sie mit uns Kontakt auf.
info@ensuite.ch