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Das Jahr­zent wie­der­holt sich!

Am 9. Sep­tem­ber steht in einer Wei­sung der Kul­tur­ab­tei­lung an den Zür­cher Gemein­de­rat (GR Nr. 2009/393) «3.7. Bes­se­re Ver­mitt­lung des kul­tu­rel­len Ange­bots: Die Nach­fra­ge nach kul­tu­rel­len Gütern und damit die Aus­las­tung des bestehen­den Ange­bots soll gestei­gert wer­den, indem die Infor­ma­ti­on über das Kul­tur­ange­bot ent­schei­dend ver­bes­sert wird. Denn nach wie vor wird das viel­fäl­ti­ge kul­tu­rel­le Ange­bot kaum in sei­ner Gesamt­heit wahr­ge­nom­men. Zudem lässt sich nur müh­sam ein Über­blick ver­schaf­fen. Die Nach­fra­ge nach kul­tu­rel­len Gütern sowie die Ver­bes­se­rung der Wahr­neh­mung Zürichs als Kul­tur­des­ti­na­ti­on könn­te durch die Schaf­fung eines über Wer­bung und wei­te­re pri­va­te Zuwen­dun­gen finan­zier­ten umfas­sen­den Ver­an­stal­tungs­füh­rers erhöht wer­den. Die­ser müss­te den gros­sen Zür­cher Tages­zei­tun­gen bei­gelegt wer­den und auch an Kios­ken und öffent­li­chen Ver­kaufs­stel­len täg­lich erhält­lich sein. Par­al­lel zur Print­ver­si­on müss­te der Ver­an­stal­tungs­füh­rer auch online ver­füg­bar sein. Ein ent­spre­chen­des Pro­jekt wird auf Initia­ti­ve der Kul­tur­ab­tei­lung gegen­wär­tig in pri­va­ten Krei­sen erarbeitet.»

Das klingt eigent­lich ganz ver­nünf­tig, schliess­lich haben am 22. Juni 2009 eine Hand­voll enga­gier­te und gela­de­ne Gäs­te im Thea­ter Neu­markt in Zürich debat­tiert und «Hand­lungs­be­darf» in der Kul­tur­be­richt­erstat­tung ange­kün­digt. Es ist auch bekannt, dass der Züri-Tipp lei­det – zu wenig Wer­be­ein­nah­men las­sen bei Tame­di­as Pro­fit­cen­ter­den­ken Fra­gen auf­kom­men. Etwas frag­wür­di­ger aller­dings ist, war­um ensuite in die­sem Zusam­men­hang kein The­ma ist. Seit zwei Jah­ren beackern wir Zürich und des­sen Kul­tur­ab­tei­lung – man kennt uns alle­mal. Kurz nach die­sem Neu­markt-Tref­fen habe ich mich des­we­gen mit Dr. Jean Pierre Hoby, Kul­tur­se­kre­tär von Zürich, getrof­fen. Ich hat­te ihn infor­miert, wie es in Bern läuft, und dass man viel­leicht in Zürich nicht die glei­chen Feh­ler machen soll­te. Er bestä­tig­te die­se Beob­ach­tun­gen, und man woll­te sich auf dem Lau­fen­den halten.

Seit­her ist Herr Dr. Hoby ein Geist gewor­den und mischelt irgend­was, ohne die Betei­lig­ten zu infor­mie­ren. Ein paar Wochen spä­ter hat er aber «sein» Pro­jekt dem ZH-Stadt­rat erklärt. Fakt ist, was für den Stadt­rat gut klingt, kann nicht funk­tio­nie­ren: 1. Ist der Wer­be­markt für Kul­tur zu klein, um so ein Unter­neh­men finan­zie­ren zu kön­nen. 2. Baut die Stadt Zürich ein Kon­kur­renz­un­ter­neh­men zu bestehen­den pri­va­ten Medi­en auf. 3. Wird dadurch der Züri-Tipp unnö­tig gefähr­det, schluss­end­lich ein­ge­stellt und durch die städ­ti­sche Publi­ka­ti­on ersetzt – die Tame­dia ver­dient noch Geld dar­an und reibt sich die Hän­de. Die Ver­lie­rer sind auf jeden Fall die Steu­er­zah­ler- Innen, Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen und die Kul­tur­schaf­fen­den. Das wis­sen wir aus Erfah­rung. Ende August habe ich für ensuite ein För­de­rungs­ge­such ein­ge­reicht, da wir – wegen Zürich – Geld auf­trei­ben müs­sen. Es geht dabei um eine finan­zi­el­le Betei­li­gung von 30 000 Fran­ken. Am 30. Okto­ber habe ich per Mail bei Herrn Hoby nach­ge­fragt – weil auf unse­re dop­pel­te Gesuchs­ein­ga­be kei­ne schrift­li­che noch münd­li­che Bestä­ti­gung folg­te – ob er die Unter­la­gen eigent­lich erhal­ten habe. Sein Sekre­ta­ri­at ent­schul­dig­te sich gleich­tags und mein­te: «Er wird ihr Gesuch an der nächs­ten Mit­ar­bei­ter­sit­zung mit den Res­sort­lei­tun­gen bespre­chen und sich anschlies­send bei Ihnen mel­den.» Am 17. Dezem­ber mel­de­te ich mich noch ein­mal bei Herrn Dr. Hoby und for­der­te eine Ant­wort. Das lobens­wer­te Sekre­ta­ri­at ant­wor­te­te wie­der­um umge­hend: «Ich konn­te vor­her Herrn Hoby noch­mals nach dem Stand der Din­ge fra­gen. Er wird Ihnen so rasch wie mög­lich eine schrift­li­che Begrün­dung zur Ableh­nung zukom­men las­sen. Die Stadt hat ein ande­res Pro­jekt auf­ge­gleist und kann sich nicht an wei­te­ren Pro­jek­ten betei­li­gen. Aber Herr Hoby wird Ihnen dazu genaue­re Aus­kunft geben.» Es wie­der­holt sich alles. Bis heu­te habe ich nichts gehört. Doch Herr Dr. Hoby wird im Som­mer 2010 in den Ruhe­stand gehen. Hof­fen wir also, dass die Zür­cher- Macht­kul­tur nach fast 27 Jah­ren ein ers­tes Ende nimmt. ensuite wird sich die­sem The­ma im Jahr 2010 ganz spe­zi­ell annehmen.

Von Lukas Vogel­sang / edi­to­ri­al Aus­ga­be Janu­ar 2010