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Ber­ner Amts­an­zei­ger wird gesetz­lich neu verankert

Seit Anfang Okto­ber ist die Ber­ner Kul­tur­agen­da nicht mehr Ver­le­ge­rin Ihrer eige­nen Zei­tung und kre­iert kei­ne Bei­la­ge mehr für den Amts­an­zei­ger der Stadt und Regi­on Bern. Dies tut neu der Amts­an­zei­ger sel­ber und tritt nun öffent­lich als Ver­le­ge­rin der Ber­ner Kul­tur­agen­da auf. Das ist eine heik­le Sache, denn bis­her war es dem Amts­blatt unter­sagt, redak­tio­nel­len Inhalt anzu­bie­ten. Man hat aber hin­ter den Amts­tü­ren bereits vor­ge­grif­fen und die Ände­run­gen vor­ge­zo­gen – das Gesetzt kommt aller­dings erst 2010. Die Geset­zes­än­de­rung war bereits im Vor­feld eine abge­spro­che­ne Sache – bis die­ses aus­ge­ar­bei­tet war, hat es ein­fach etwas län­ger gedau­ert. Erst jetzt wird für die Janu­ar­ses­si­on der neue Geset­zes­ent­wurf offen diskutiert.

Der Amts­an­zei­ger hat kei­nen ein­fa­chen Stand. Doch die Art und Wei­se, wie sein Platz und Funk­ti­on wei­ter­hin gerecht­fer­tigt wer­den soll, ist etwas markt­fremd. Mit öffent­li­chem Geld und der öffent­li­chen Funk­ti­on wer­den Bedin­gun­gen durch­ge­boxt, die an dem «rea­len Leben» ziem­lich fremd sind und den pri­va­ten Wett­be­werb stö­ren. Sie Espace Medi­en AG, oder jetzt Tame­dia, ist direk­te Kon­kur­ren­tin und ver­sucht jeweils Ter­rain zurück­zu­er­obern. So zum Bei­spiel die Zwangs-Ver­ord­nung, dass der Anzei­ger in alle Brief­käs­ten und Post­fä­cher muss – ob das nun gewünscht wird oder nicht – eine unfai­re Situa­ti­on. Denn der Amts­an­zei­ger lebt nicht von der Leser­schaft der Amts­an­zei­gen, son­dern vom Wer­be­markt, den Stel­len- und Woh­nungs­in­se­ra­ten. Frü­her konn­te mit einem Kle­ber davon abge­wen­det wer­den – die­ser wird nach 14 Jah­ren nor­mal­zu­stand igno­riert. (vl)

(Pres­se­text vom Kan­ton Bern) Der Regie­rungs­rat des Kan­tons Bern hat die Teil­re­vi­si­on des Gemein­de­ge­set­zes zuhan­den des Gros­sen Rates ver­ab­schie­det. Die Vor­la­ge regelt das Anzei­ger­we­sen neu. Die kan­to­na­len Vor­ga­ben wer­den gelo­ckert und redu­ziert. Amt­li­che Publi­ka­tio­nen von kan­to­na­len Stel­len sol­len aber wei­ter­hin gra­tis blei­ben. Dane­ben wer­den mit der Teil­re­vi­si­on des Gemein­de­ge­set­zes auch die Bestim­mun­gen zu den Regio­nal­kon­fe­ren­zen, zur Finanz­auf­sicht über die Gemein­den und zur ver­mö­gens­recht­li­chen und dis­zi­pli­na­ri­schen Ver­ant­wort­lich­keit in den Gemein­den ange­passt. Der Gros­se Rat wird die Vor­la­ge in der Janu­ar­ses­si­on 2010 beraten.

Zur Ände­rung des Gemein­de­ge­set­zes fand vom 6. März bis am 6. Juni 2009 eine brei­te Ver­nehm­las­sung statt. Die Vor­la­ge bringt Prä­zi­sie­run­gen bei den Bestim­mun­gen über die Regio­nal­kon­fe­ren­zen, eine teil­wei­se Neu­re­ge­lung der kan­to­na­len Finanz­auf­sicht über die Gemein­den und Anpas­sun­gen bei den Bestim­mun­gen über die ver­mö­gens­recht­li­che und dis­zi­pli­na­ri­sche Ver­ant­wort­lich­keit in den Gemein­den. Kern­punkt der Teil­re­vi­si­on ist jedoch die Neu­re­ge­lung des ber­ni­schen Anzei­ger­we­sens. Ziel ist es, die bis­he­ri­gen dich­ten kan­to­na­len Vor­ga­ben zu lockern und auf die Bestim­mun­gen zu redu­zie­ren, wel­che für eine ord­nungs­ge­mäs­se Publi­ka­ti­on von amt­li­chen Bekannt­ma­chun­gen nötig sind.

Die amt­li­chen Anzei­ger sind die amt­li­chen Publi­ka­ti­ons­or­ga­ne der Gemein­den. Ent­spre­chend dem Grund­satz, wonach das kan­to­na­le Recht den Gemein­den einen mög­lichst wei­ten Hand­lungs­spiel­raum zu gewäh­ren hat, sol­len die bestehen­den for­ma­len und inhalt­li­chen Vor­ga­ben des Kan­tons im Anzei­ger­we­sen wei­test­ge­hend auf­ge­ho­ben wer­den. Dies gilt ins­be­son­de­re für das bis­he­ri­ge Ver­bot von redak­tio­nel­len Bei­trä­gen im nicht­amt­li­chen Teil der Anzeiger.

In der Ver­nehm­las­sung, an der sich ins­ge­samt 60 Absen­de­rin­nen und Absen­der betei­lig­ten, wur­de die Vor­la­ge ins­ge­samt posi­tiv auf­ge­nom­men. Kon­tro­vers beur­teilt wur­de jedoch die Fra­ge, ob amt­li­che Publi­ka­tio­nen von kan­to­na­len Stel­len in den amt­li­chen Anzei­gern der Gemein­den gra­tis blei­ben oder neu kos­ten­pflich­tig wer­den sol­len. Zu die­ser Fra­ge wur­den in der Ver­nehm­las­sung zwei ent­spre­chen­de Vari­an­ten zur Dis­kus­si­on gestellt.

Der Regie­rungs­rat spricht sich dafür aus, dass kan­to­na­le Publi­ka­tio­nen wei­ter­hin gra­tis blei­ben sol­len. Zwar befür­wor­te­te in der Ver­nehm­las­sung eine Mehr­heit die kos­ten­pflich­ti­ge Vari­an­te. Die Tat­sa­che, dass kan­to­na­le Ver­öf­fent­li­chun­gen und Stel­len­in­se­ra­te wesent­lich zur Attrak­ti­vi­tät und Popu­la­ri­tät der amt­li­chen Anzei­ger bei­tra­gen, recht­fer­tigt es aber aus Sicht des Regie­rungs­rats, an der bis­he­ri­gen, bewähr­ten Rege­lung fest­zu­hal­ten. Zudem wür­de die kos­ten­pflich­ti­ge Vari­an­te dem Kan­ton Bern einen finan­zi­el­len Mehr­auf­wand brin­gen. Der Regie­rungs­rat ist über­zeugt, eine für alle Sei­ten akzep­ta­ble Rege­lung getrof­fen zu haben. Sie berück­sich­tigt die schwie­ri­gen finanz­po­li­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen, ohne die sinn­vol­le Dere­gu­lie­rung im Anzei­ger­we­sen preis­zu­ge­ben. Der Regie­rungs­rat hat den Ver­band ber­ni­scher Gemein­den und den kan­to­na­len Anzei­ger­ver­band unmit­tel­bar nach der Ver­ab­schie­dung der Vor­la­ge über sei­nen Vari­an­ten­ent­scheid infor­miert. Die Bera­tung des Gemein­de­ge­set­zes im Gros­sen Rat ist für die Janu­ar­ses­si­on 2010 vorgesehen