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Ant­wer­pen / Bel­gi­en: Wie ein Sil­ber­schmied aus dem 18. Jahrhundert

Die Geschich­te von Ant­wer­pen ist mit dem Juwe­lier- und dem Dia­man­ten­ge­schäft und den Gold- und Sil­ber­schmie­den eng ver­floch­ten. Die Stadt hält seit dem 15. Jahr­hun­dert die Posi­ti­on als wich­tigs­tes Zen­trum und wich­tigs­ter Umschlag­platz für die­se Märk­te. Die güns­ti­ge Lage der Hafen­stadt ist einer der Grün­de für die­se Ent­wick­lung. Heu­te gibt es in Ant­wer­pen mehr als 1200 Juwe­lier­ge­schäf­te, 32 nam­haf­te Juwe­lier­de­si­gner, Dut­zen­de Werk­stät­ten und zahl­rei­che Läden, die auf den Schmuck­ver­kauf spe­zia­li­siert sind. Man­che Leu­te fah­ren auch heu­te noch extra nach Ant­wer­pen, um einen Ver­lo­bungs- oder einen Ehe­ring zu kaufen.

DIVA, das Muse­um für Schmuck, Sil­ber und Dia­man­ten, das zur König-Bau­douin-Stif­tung gehört – dem Ehren­gast der kom­men­den Bra­fa Art Fair –, beher­bergt in sei­nen Räu­men eine impo­san­te Samm­lung, in der Wer­ke vom 15. Jahr­hun­dert bis heu­te prä­sen­tiert wer­den. Das Muse­um besteht aus den Aus­stel­lungs­räu­men, einer Biblio­thek und der Werk­statt. Auf einem Rund­gang durchs Muse­um erfährt man nicht nur etwas über die Ver­än­de­rung der Sti­le und das hand­werk­li­che Geschick der Meis­ter der Ver­gan­gen­heit, son­dern auch dar­über, wie sich die Prä­fe­ren­zen der wohl­ha­ben­den Kun­den in Auf­trags­ar­bei­ten spie­geln. Doch trotz die­ses gan­zen Glan­zes, des Dia­man­ten­fun­kelns und der Schön­heit war ich vor allem von den Werk­statt­räu­men und dem Gespräch mit dem Sil­ber­schmied-Meis­ter Max Gie­lis angetan.

Gie­lis lei­tet par­al­lel zur Arbeit im eige­nen Ate­lier und zu sei­ner Unter­richts­tä­tig­keit in der DIVA-Werk­statt ein durch das bel­gi­sche Kul­tur­mi­nis­te­ri­um unter­stütz­tes Mas­ter-Pro­jekt, bei dem die hand­werk­li­che Aus­bil­dung in anti­ken Tech­ni­ken der Sil­ber­schmie­de­kunst geför­dert wird, wel­che nicht mehr an den heu­ti­gen Fach­schu­len unter­rich­tet wer­den. Das ist die Krux bei der Geschich­te: Zwar hat Ant­wer­pen reich­lich Juwe­lie­re und Gold­schmie­de, doch Gie­lis gehört zu den nur acht in Bel­gi­en täti­gen Sil­ber­schmie­den. Zum Ver­gleich arbei­ten in Seo­ul 40 bis 50 Sil­ber­schmie­de, wie ein korea­ni­scher Kol­le­ge Gie­lis erzähl­te. Gie­lis wird von jun­gen Kol­le­gen oder Stu­den­ten öfter gefragt, wo sie bestimm­te Tools und Werk­zeugsets kau­fen kön­nen. Gie­lis lächelt nur: Es gibt kei­ne Tools und kei­ne fix­fer­ti­gen Sets. Er hat sich sei­ne Werk­zeu­ge in sei­ner fast 30-jäh­ri­gen Tätig­keit selbst zusam­men­ge­sucht und ange­sam­melt und sei­ne Kennt­nis­se über bestimm­te Tech­ni­ken durch Pro­bie­ren und Expe­ri­men­tie­ren erlangt. In der Werk­statt von DIVA sucht nun ein klei­nes Hand­wer­ker-Team Ant­wor­ten, die man nicht mit der Hil­fe eines 3D-Dru­ckers oder einer KI bekommt. Lang­sam, beharr­lich und zugleich von der Kunst­fer­tig­keit der alten Meis­ter fas­zi­niert und in den Bann gezogen.

Wie vie­le Per­so­nen arbei­ten an die­sem Pro­jekt?
Max Gie­lis: Wir sind zu dritt. Alle haben bereits Erfah­rung in der Sil­ber­schmie­de­kunst und möch­ten sich nun spe­zia­li­sie­ren. Wir haben einen Metall­re­stau­ra­tor mit 35 Jah­ren Erfah­rung und einen Gold­schmied mit 40 Jah­ren Erfah­rung, sodass ich als Meis­ter eigent­lich der Jüngs­te bin. Wir sehen es eher als Gemein­schafts­pro­jekt. Es ist eine sehr frucht­ba­re Zusammenarbeit.

Wie lan­ge läuft die­ses Pro­jekt?
Es dau­ert maxi­mal zwei Jah­re, aber da wir alle unse­re eige­nen Werk­stät­ten und unser eige­nes Geschäft haben, machen wir das nur an einem Tag in der Woche. Des­halb haben wir uns für einen län­ge­ren Zeit­raum ent­schie­den, damit wir zwi­schen den Arbeits­sit­zun­gen Zeit zum Nach­den­ken haben. Man kann das einen Monat lang machen oder zwei Jah­re lang, das spielt für die Pro­jekt­in­itia­to­ren kei­ne Rol­le, solan­ge man am Ende Ergeb­nis­se vor­wei­sen kann.
Zeit ist in den heu­ti­gen Tagen, wo jede Stun­de zählt, wirk­lich kost­bar, und das steht im Gegen­satz zu der Idee, mit der die­se Stü­cke, die wir nach­bau­en oder nach­ah­men, ursprüng­lich her­ge­stellt wur­den, als die Mate­ri­al­kos­ten hoch und die Arbeits­kos­ten nied­rig waren. Wir ver­wan­deln uns also in Arbei­ter aus dem 18. Jahr­hun­dert, deren Arbeit wirk­lich güns­tig war.

Das Ziel der Rei­se, die bald zu Ende geht, ist das Wie­der­fin­den und Bewah­ren der erstaun­li­chen Hand­werks­kunst der ver­gan­ge­nen Epochen.

DIVA-Muse­um–www.divaantwerp.be
King Bau­douin Foun­da­ti­on– www.heritage-kbf.be

Die 71. BRAFA Art Fair fin­det vom 25. Janu­ar bis zum 1. Febru­ar 2026 statt.
www.brafa.art

Die Rei­se wur­de durch die BRAFA Art Fair orga­ni­siert und ermöglicht.