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Alte Bäder­kul­tur neu entdeckt

Von Andrea Bau­mann - Wie der Her­kunfts­na­me des schmu­cken Städt­chens Baden ver­mu­ten lässt, wird im aar­gaui­schen Kur­ort seit jeher geba­det. Schon die Römer schätz­ten vor über 2000 Jah­ren die Ther­mal­quel­len und setz­ten den Grund­stein für eine lan­ge Bade- und Kur­tra­di­ti­on, die ihren Höhe­punkt im 19. Jahr­hun­dert erleb­te. Man sprach vom flüs­si­gen Gold Badens, weil das Bade­ner Ther­mal­was­ser das mine­ral­reichs­te der Schweiz ist.

Eine Zug­stun­de ist Baden von Bern ent­fernt. Der Blick vom Bahn­hofs­platz über das sich win­den­de Fluss­bett der Lim­mat und die gegen­über­lie­gen­den Reb­ber­ge ist bezau­bernd und ver­mit­telt den Ein­druck von Geruh­sam­keit. Die Bäder­stras­se führt links vom Bahn­hofs­platz ab zu einem Tor­bo­gen auf dem der Gruss gemalt ist: Will­kom­men in den Bade­ho­tels. Die Hotels und Restau­rants schmie­gen sich an ein­an­der, als buhl­ten sie um einen Logen­platz am Kur­platz, wo auch das Hotel Atri­um Blu­me zu fin­den ist.

Das abso­lut ein­zig­ar­ti­ge, was die­ses Hotel zu einem Juwel macht, ist der Innen­hof, das soge­nann­te Atri­um. Eine Schmie­dei­sen­kon­struk­ti­on, die sich über vier Eta­gen erhebt und mit einem Glas­dach über­deckt ist. Unzäh­li­ge Pflan­zen und Blu­men, dar­un­ter rie­si­ge Gum­mi­bäu­me und wuchern­de Efeu­ar­ten, schmü­cken den Innen­hof und ver­wan­deln ihn in eine erhol­sa­men Inte­ri­eur-Land­schaft und Win­ter­gar­ten. Näher dem Tages­licht im drit­ten Stock blü­hen die Orchi­deen in ihrer vol­len Far­ben­pracht. Im erd­ge­schos­si­gen Brun­nen schwim­men Gold­fi­sche ihre Run­den, beglei­tet wer­den die stum­men Mit­be­woh­ner von einem äus­serst musi­ka­li­schen Nym­phen­sit­tich, der drei Stock­wer­ke höher sein Quar­tier bezo­gen hat. Ame­ri­ka­ni­sche Besu­cher waren sich sicher, im Gezwit­scher eine wir­kungs­star­ke Markt­ing­idee ent­deckt zu haben, als sie die Bemer­kung fal­len lies­sen: «oh, what a nice recor­ding!». Weit gefehlt – in der «Blu­me» ist alles echt und fast alles antik. Frau Erne, die Mut­ter der hotel­füh­ren­den Söh­ne, betont, dass sie nicht um jeden Preis Nost­al­gie ver­mit­teln wol­len. Geschmack­voll und ein­la­dend soll das Inte­ri­eur sein. «Das Hotel bie­tet nicht sel­ten Asyl für zu gross gewach­se­ne Pflan­zen, ver­wit­we­te Vögel, Rari­tä­ten und Kurio­si­tä­ten, dar­un­ter ein alter Kachel­ofen, scherzt Frau Erne. Schon Her­mann Hes­se kann­te die­ses Ein­od und ver­brach­te die Tage schrei­bend im Atri­um. Ver­dien­ter­mas­sen wur­de des­halb dem Hotel Atri­um Blu­me vor drei Jah­ren der Aar­gau­er Hei­mat­schutz­preis überreicht.

So leben­dig sich das Hotel prä­sen­tiert, umso leb­lo­ser wirkt die unmit­tel­ba­re Umge­bung. Die bei­den an den Kur­platz angren­zen­den Hotels Veren­ahof und Schwei­zer­hof stell­ten den Betrieb bereits vor eini­gen Jah­ren ein. Dies einer­seits wegen Nach­fol­ge­man­gels, ande­rer­seits bedingt durch rigo­ro­se Brand­schutz­vor­keh­run­gen. Ganz im Zeit­trend beher­bergt der Schwei­zer­hof nun Besit­zer und Besit­ze­rin­nen von Eigen­tums­woh­nun­gen. Was mit dem Veren­ahof pas­siert, ist noch unge­wiss. Ein Stück Schwei­zer Hotel­ge­schich­te ist am Kur­platz Baden gestor­ben. Das öffent­li­che Ther­mal­bad, das an den Kur­platz grenzt, ist beschei­den, auch die hotel­ei­ge­nen Bade­ein­rich­tun­gen der «Blu­me» sind klein gehal­ten. Expan­sioni­deen im Sin­ne von Aqua­parks sind durch die geo­gra­fi­sche Ein­engung im Lim­mat­knie nur begrenzt rea­li­sier­bar. Somit wird in Baden nach wie vor dem beschau­li­chen und besinn­li­chen Baden gefrönt ohne Kin­der­rutsch­bah­nen oder ande­ren Was­ser­ver­gnü­gungs­mög­lich­kei­ten. Was für die einen Glück und Ruhe bedeu­tet, ist für die ande­ren ein Manko.

Geschicht­lich betrach­tet ist die Spe­zi­es «klas­si­scher Kur­gast» längst aus­ge­stor­ben. Heu­te bleibt kaum mehr jemand drei bis vier Wochen in einem Hotel zur Kur, aus­ser es sei auf medi­zi­ni­sche Ver­ord­nung. Dies ver­an­lass­te die Hotel­fa­mi­lie Erne, neue Ideen zu fin­den und Schwer­punk­te zu set­zen. Sie set­zen des­halb auf eine sai­so­na­le, mark­fri­sche Küche, die auch Tages­gäs­te über­ra­schen soll und bie­ten spe­zi­el­le Aus­ruh­wo­chen­en­de für gestress­te, abge­schlaff­te Städ­ter. Die haus­ei­ge­ne Ther­mal­quel­le speist die Wan­nen­bä­der und auf Wunsch legt die The­ra­peu­tin Hand an und kne­tet den Kör­per wohl­tu­end durch. Ein Novem­ber­tipp, um wie­der auf Tou­ren zu kommen.

Atri­um Hotel Blume
Kur­platz 4
5400 Baden
Tel: 056 200 0 200
www.blume-baden.ch
info@blume-baden.ch

Über­nach­tungs­prei­se:
Mitt­le­re Preisklasse

Bild: zVg.
ensuite, Novem­ber 2006