Die Thea­ter­trup­pe „A Point“ im ONO in Bern

Von

|

Drucken

lilienfeldVon Fran­çois Lili­en­feld - Die Com­pa­gnie A Point wird mit TRANSIT am 22. März in Bern gas­tie­ren. Die Urauf­füh­rung fand mit gro­ßerm Erfolg am 22. Feb. im Casi­no Thé­ât­re in Le Locle statt, wo die Künst­ler ihren Wohn­sitz gewählt haben. Mit Aus­nah­me des künst­le­ri­schen Lei­ters Vin­cent Ver­nez, der aus dem Waadt­land stammt, han­delt es sich bei den Schau­spie­lern um Eng­län­der. Wobei die Bezeich­nung „Schau­spie­ler“ zu restrik­tiv ist; denn die jun­gen Künst­ler spie­len, sin­gen, tan­zen und beherr­schen auch in hohem Maße die Kunst der Pan­to­mi­me. Gespro­chen wird recht wenig, der kör­per­li­che Aus­druck sowie eini­ge Kof­fer als äußerst viel­sei­tig benutz­ba­re Requi­si­ten bil­den den aus­drucks­mä­ßi­gen Mit­tel­punkt der von der gan­zen Trup­pe auf Grund einer wah­ren Geschich­te aus­ge­ar­bei­te­ten Kreation.

Wie im Titel ange­deu­tet steht die Rei­se im Zen­trum des Gesche­hens, eine sowohl äuße­re wie inne­re Rei­se. Die jun­ge Saman­tha App­le­bee fin­det in den vier Wän­den ihres Hau­ses, was ihr Herz begehrt, im Gegen­satz zu ihrer Schwes­ter Dia­na, die stän­dig her­um­reist, um die Welt – und sich selbst – ken­nen zu ler­nen. Als Dia­na töd­lich ver­un­fallt, erhält Saman­tha ihre Hab­se­lig­kei­ten. Dar­in ent­hal­ten ist auch ihr flei­ßig geführ­tes Rei­se­ta­ge­buch. Saman­tha ent­schließt sich, ihre geschlo­ße­ne Welt zu ver­las­sen und reist auf Grund die­ses Hef­tes den Spu­ren ihrer Schwes­ter nach.

Die zwei Rei­sen sind, ent­spre­chend den Cha­rak­te­ren der Schwes­tern, recht ver­schie­den, trotz des glei­chen Weges. Dass die inne­re Erfah­rung der zwei Frau­en mit beschei­de­nen Mit­teln aber um so mehr Talent für den Zuschau­er deut­lich spür­bar wird, ist nicht das gerings­te Ver­dienst die­ser Aufführung.

Die Ver­wand­lungs­küns­te der Akteu­re sind beein­dru­ckend: Nicht nur dass sie von Rol­le zu Rol­le wech­seln; auch das stän­di­ge Hin und Her zwi­schen Tanz, Gesang und Dia­lo­gen wird bril­li­ant rea­li­siert. Die Musik stammt von Magnus Reinvik; er steht wäh­rend des gan­zen Stü­ckes auf der Büh­ne, sein Akkor­de­on im Arm, und nimmt spie­lend am Gesche­hen Teil. Neben eige­nen, sug­ges­ti­ven und impro­vi­sa­to­ri­schen Klän­gen, zitiert er auch bekann­te­re Melo­dien, wenn z. B. das Ensem­ble mit ihm den Gefan­ge­nen­chor aus Ver­dis Nabuc­co singt: ein beson­ders erge­rei­fen­der Moment!

Ver­blüf­fend das Spiel mit den Kof­fern, die als Eisen­bahn­bän­ke, Kühl­schrän­ke und vie­les Ande­re her­hal­ten müs­sen, ja sogar zur klang­li­chen Illu­si­on eines Gewit­ters ver­wen­det werden!

Der Auf­tritt im ONO wird eine gro­ße Her­aus­for­de­rung sein: Die Büh­ne ist bedeu­tend klei­ner als in Le Locle, und an Stel­le von sie­ben Künst­lern wer­den deren fünf auf­tre­ten. Jedoch kann man der Auf­füh­rung mit Ver­trau­en ent­ge­gen­se­hen: Die Com­pa­gnie A Point ist so talen­tiert, dass sie auch die­se Schwie­rig­kei­ten mit Bra­vour meis­tern wird.

Vor­stel­lung: 22. März 2013

Per­for­mers: Vin­cent Ver­nez, Katha­ri­ne Sim­blet, Simon McElli­gott, Nata­lie Mor­rell, Caris­sa Ricke­ard, Sam Wheatley.
Musi­ci­an: Magnus Reinvik
Künst­le­ri­sche Lei­tung: Vin­cent Vernez

Türe/Bar: 19:00 Uhr / 20:00 Uhr Beginn

ONO Bern, Kram­gas­se 6; 3011 Bern www.onobern.ch



Newsletter

SPENDEN!

Einen Text gelesen und der hat gefallen? Spende per TWINT ein paar Franken - ohne Abo, aber mit gutem Gewissen. Geht doch auch.