Amal­gam aus Büh­ne und Technologie

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Das Insti­tu­te for the Per­forming Arts and Film der Zür­cher Hoch­schu­le der Küns­te lud zu einer zwei­tä­gi­gen szen­o­gra­phi­schen Expe­di­ti­on auf die «Digi­ta­le Büh­ne». Einer­seits ging es um einen Erfah­rungs­aus­tausch zur digi­ta­len Ästhe­tik auf soge­nann­ten erwei­ter­ten Büh­nen, im Rah­men von Dis­kus­si­ons­run­den. Ande­rer­seits wur­den Anwen­dun­gen von neu­en Tech­no­lo­gien die­ser digi­ta­len Ästhe­tik in den leben­di­gen Küns­ten prä­sen­tiert, und zwar in Form von Instal­la­tio­nen und Per­for­man­ces. Impuls­ge­ber der Expe­di­ti­on war das in der Nähe von Lau­sanne behei­ma­te­te Natio­nal­fonds­pro­jekt «SINLAB», das leben­di­ge Küns­te, Archi­tek­tur, Wis­sen­schaft, Tech­no­lo­gie und Phi­lo­so­phie zu neu­en Wegen künst­le­ri­schen Aus­drucks, wis­sen­schaft­li­cher Expe­ri­men­te und tech­no­lo­gi­scher Ent­wick­lung füh­ren möchte.

Mit ande­ren Wor­ten: die Ver­an­stal­tung warf Fra­gen auf und ging die­sen nach. Wird der Per­for­mer im elek­tri­schen Smog all­mäh­lich auf­ge­löst? Kön­nen Pro­jek­tio­nen in ihrer Plas­ti­zi­tät allen­falls Objek­te erset­ze? Oder: Was geschieht, wenn die Tän­ze­rin anfängt, mit ihren Bewe­gun­gen selbst zu komponieren? 

Brei­te Kooperation

Bei SINLAB ist zur­zeit der Cho­reo­graf Pablo Ven­tura als Artist in Lab zu Besuch, der für ein paar Expe­ri­men­te den dok­to­rie­ren­den Chris Zieg­ler zur Sei­te nahm. Das Farb-Licht Zen­trum der ZHdK koope­rier­te mit Andrew Sem­pe­re (einem wei­te­ren der vier For­schen­den des SINLAB), und als Gäs­te wur­den 400asa, die Stu­die­ren­den des Mas­ter Thea­ter sowie der Dozent und Fil­me­ma­cher Chris­ti­an Ise­li zu Bei­trä­gen ein­ge­la­den. Einen phi­lo­so­phi­schen Kon­text durf­te Chris Sal­ter schaf­fen, exter­ner SIN­LAB-Bera­ter und Autor des Werks «Ent­an­gled: Tech­no­lo­gy and the Trans­for­ma­ti­on of Performance».

Die SIN­LAB-Pro­jek­te und ‑Betei­lig­ten mit den loka­len Akteu­ren zu ver­bin­den, die­ser Ansatz ist ehr­lich und kon­fron­tie­rend. Der Wunsch, ein Amal­gam von Büh­ne und Tech­no­lo­gie zu schaf­fen, und das inner­halb von zwei Tagen, kommt dar­in zum Aus­druck – ein fra­gi­ler Wunsch, ein hoch gesteck­tes Ziel. 

Kris­tal­li­sa­ti­ons­punk­te

Wirk­lich viru­lent wird die Mischung aus Tech­no­lo­gie und Büh­ne an Stel­len, an denen die Auf­ga­be von Autor­schaft dis­ku­tiert wird: Wer «kre­iert» denn eigent­lich, wenn die gan­ze Büh­ne «intel­li­gent» wird? Ein wei­te­rer Kris­tal­li­sa­ti­ons­punkt konn­te im Rol­len­ver­ständ­nis gefun­den wer­den: Wenn sich ursprüng­lich klar ver­teil­te Rol­len erwei­tern zu umfas­sen­den Ver­ant­wor­tun­gen für wei­te­re Berei­che der Büh­ne, so liegt dem auch ein ver­än­der­tes Rol­len­ver­ständ­nis zugrun­de. Dass hier­für ein «Inter­face» nötig wird, dar­über waren sich die Teil­neh­men­den einig, und die Gesprä­che der Betei­lig­ten las­sen hof­fen, dass bald ent­spre­chen­de Ver­su­che Früch­te tra­gen werden.

So klin­gen die Gesprä­che über einen iPod, des­sen Bewe­gungs­sen­so­ren eine Cho­reo­gra­fie erken­nen und mit Klän­gen aus­stat­ten kön­nen, viel umständ­li­cher, als das Pro­ji­zie­ren lau­fen­der In- und Output-Werte.

Ein wir­kungs­lo­ser Artefakt?

Die Erfah­run­gen der Tagung zei­gen indes auch, dass die digi­ta­le Büh­ne noch ein Nischen­da­sein führt. Sie schafft es auch nicht, eine Brü­cke zu schla­gen zu den sozia­len Kon­tex­ten oder der mensch­li­chen Spra­che, die doch für die leben­den Küns­te von zen­tra­ler Bedeu­tung sind. Die digi­ta­le Büh­ne wirkt dadurch etwas ein­sam, erst recht, wenn einem bewusst wird, dass sich wäh­rend der Tagung eine sehr klei­ne Grup­pe von Spe­zia­lis­ten getrof­fen hat. Noch feh­len die «Inter­faces» zur umge­ben­den Welt, denn ohne deren Ein­be­zug bleibt die cho­reo­gra­fier­te Bewe­gung ein wir­kungs­lo­ser Arte­fakt. Es gilt also, die Bezü­ge zu schaf­fen. Daher sind die Grup­pe 400asa ihr Ko-Grün­der Samu­el Schwarz dank­ba­re Part­ner, die uns an die Hand neh­men, die Welt zu erkun­den. Die rea­le eben­so wie die digitale.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum Pro­jekt bei http://www.sinlab.ch/.

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