SRF: The­men­schwer­punkt Kul­tur «Max Frisch: Zum 100. Geburts­tag eines Unbequemen»

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Er zählt zu den ganz gros­sen Namen der Schwei­zer Kul­tur im 20. Jahr­hun­dert: Max Frisch. Am 15. Mai 2011 wäre er 100 Jah­re alt gewor­den, am 4. April 2011 jähr­te sich aus­ser­dem zum 20. Mal sein Todes­tag. Aus die­sem Anlass wid­met die Kul­tur­ab­tei­lung von Schwei­zer Radio und Fern­se­hen Max Frisch einen The­men­schwer­punkt. Mit zahl­rei­chen Bei­trä­gen und Hin­ter­grund­sen­dun­gen in den Radio- und Fern­seh­pro­gram­men, mit Hör­spie­len sowie Spiel- und Doku­men­tar­fil­men wür­digt SRF den gros­sen Schwei­zer Schrift­stel­ler. Das gan­ze Pro­gramm mit zusätz­lich inter­ak­ti­ven Ele­men­ten ist auf ww.maxfrisch.srf.ch abrufbar.

Weni­ge haben sich so inten­siv wie er mit der Rol­le der Schweiz in der Welt aus­ein­an­der­ge­setzt; und weni­ge Schwei­zer Schrift­stel­ler haben weit über die Gren­zen des Lan­des hin­aus eine sol­che Strahl­kraft erreicht wie er. Weni­ge auch wur­den zu Leb­zei­ten so kon­tro­vers dis­ku­tiert. 20 Jah­re nach Max Frischs Tod hat sein Werk an Aktua­li­tät kaum ein­ge­büsst. Vom Mon­tag, 2. Mai, bis Sonn­tag, 15. Mai wid­met Schwei­zer Radio und Fern­se­hen dem unbe­que­men Schrift­stel­ler zwei The­men­wo­chen in den Radio- und Fern­seh­pro­gram­men: Was jun­ge Autorin­nen und Slam­poe­ten von Max Frisch hal­ten, brin­gen sie «Frisch gesl­amt» aufs Papier – nach­zu­hö­ren vom 2. bis 6. Mai in «DRS2aktuell» und auf DRS Virus. In den ers­ten Mai­wo­chen star­tet auch eine Hör­spiel­rei­he mit Frischs Wer­ken, die auf DRS 1 und DRS 2 aus­ge­strahlt wer­den: «Rip van Wink­le», «Herr Bie­der­mann und die Brand­stif­ter», «Em Phil­ipp Hotz sy gross Wuet» oder «Der Graf von Öder­land». High­light die­ser Rei­he ist das neu pro­du­zier­te, zwei­tei­li­ge Hör­spiel «Montauk», das jeweils am Sams­tag­abend auf DRS 2 zu hören ist. Die­ses meis­ter­haf­te Pro­sa­stück von 1975 wur­de erst­mals als Hör­spiel auf­be­rei­tet und ist eine Kopro­duk­ti­on mit dem SWR. Was Max Frisch und Fried­rich Dür­ren­matt wohl im Him­mel zusam­men dis­ku­tie­ren, dar­über fan­ta­siert Mat­to Kämpf in sei­nem Kurz­hör­spiel «Dich­ter!! Max und Fritz am Poet­ry Slam» am Sams­tag, 7. Mai, in «DRS2aktuell». Der «Kul­tur­platz» zeigt in den The­men­wo­chen einen Bei­trag zu Frischs Fiche sowie zum Sie­ges­zug von Frischs Thea­ter­stück Andor­ra. «Box Office» fragt nach, war­um Max Frisch so sel­ten ver­filmt wird und stellt den neu pro­du­zier­ten Film «Max Frisch: Zürich-Tran­sit. Das geschei­ter­te Film­pro­jekt» von Mat­thi­as von Gun­ten vor.

SF 1 zeigt am Sonn­tag, 8. Mai, Mat­thi­as von Gun­tens ers­ten Doku­men­tar­film «Max Frisch, Citoy­en». Der Film taucht ein in die Tex­te und Reden von Frisch – sekun­diert von berühm­ten Freun­den des Schrift­stel­lers. Fil­mi­sche Umset­zun­gen von Frischs Wer­ken zeigt SF 1 am Don­ners­tag, 5. Mai 2011 mit «Homo Faber» (von Vol­ker Schlön­dorff) und am Mitt­woch, 11. Mai 2011, mit «Bie­der­mann und die Brand­stif­ter» jeweils nach 00.00 Uhr. Mehr über Leben und Den­ken, Werk und Wir­ken des streit­ba­ren Schwei­zers erfährt das Publi­kum in diver­sen Radio-Hin­ter­grund­sen­dun­gen: Der Publi­zist und Schrift­stel­ler Die­ter Bach­mann berich­tet am 5. Mai in der «Passage2» über sei­ne per­sön­li­chen Erin­ne­run­gen an Frisch. «Refle­xe» the­ma­ti­siert am 10. Mai das Ver­hält­nis der West­schweiz zum Deutsch­schwei­zer Autor. In «Schwiiz und quer» auf DRS 1 dis­ku­tie­ren Gäs­te über die Aktua­li­tät von Frischs Fra­ge­bo­gen, die «Hör­bar» stellt die neu­es­ten Hör­bü­cher vor, und der «Wort­Ort» begibt sich im Max-Frisch-Archiv auf Spu­ren­su­che. Schwei­zer Radio und Fern­se­hen öff­net für den The­men­schwer­punkt auch sei­ne rei­chen Archi­ve: In der «Passage2» vom 12. Mai kommt Max Frisch sel­ber zu Wort – in Gesprä­chen, Rede­aus­schnit­ten und Lese­bei­spie­len. Mit einer Fern­seh­the­men­nacht am 13. Mai und einer Radio­hör­nacht am 14. Mai kann das Publi­kum schliess­lich wei­te­re, über­ra­schen­de Zeit­do­ku­men­te wie­der­ent­de­cken. Den Schluss­punkt der The­men­wo­chen set­zen am 15. Mai – dem 100. Geburts­tag von Max Frisch – die «Stern­stun­den». In einem Gespräch mit dem Frisch-Bio­gra­fen Juli­an Schütt und der Schrift­stel­le­rin Melin­da Nadj Abon­ji geht Mode­ra­tor Juri Stei­ner in der «Stern­stun­de Phi­lo­so­phie» der Fra­ge «Max Frisch – was nun?» nach. Im Anschluss zeigt die «Stern­stun­de Kunst» den eigens für den The­men­schwer­punkt pro­du­zier­ten Film «Max Frisch: Zürich-Tran­sit. Das geschei­ter­te Film­pro­jekt» von Mat­thi­as von Gun­ten. Mit raren Auf­nah­men und Berich­ten von Zeit­zeu­gen erzählt von Gun­ten den Ver­such Frischs nach, mit «Zürich-Tran­sit» sei­nen eige­nen Spiel­film zu ver­wirk­li­chen. Ein eige­ner Mul­ti­me­dia-Auf­tritt run­det das Ange­bot von SRF ab. Auf www.maxfrisch.srf.ch haben Nut­ze­rin­nen und Nut­zer die Mög­lich­keit, sich mit Max Frisch aus­ein­an­der­zu­set­zen. Sie kön­nen neben Pro­mi­nen­ten einen der berühm­ten Fra­ge­bö­gen, die Frisch for­mu­liert hat, aus­fül­len und schau­en, was die ande­ren sagen. Schü­le­rin­nen und Schü­ler haben die Mög­lich­keit, in einem Video ihr Ver­hält­nis zu Frisch zu schil­dern und die­se Kurz­fil­me wer­den dann online gestellt. Schliess­lich kann das gesam­te Pro­gramm­an­ge­bot von SRF auf der Web­site abge­ru­fen werden.

Die Sen­dun­gen der The­men­wo­chen im Überblick
Vom 4. April bis zum 15. Mai 2011, täg­lich zwi­schen 06.00 und 09.00 Uhr, DRS 2 «Mat­ti­na­ta»: Frisch-Zellen
Max Frisch ist bekannt für sei­ne mar­kan­ten Sät­ze zur Schwei­zer Geschich­te und Poli­tik, aber auch für unver­gess­li­che Roman­an­fän­ge wie «Ich bin nicht Stil­ler» und für wun­der­bar plas­ti­sche Beschrei­bun­gen und Vignet­ten – Ansich­ten aus Zürich, aus New York oder Rom, hin­reis­sen­de Natur­sze­ne­rien und klei­ne Por­träts. DRS 2 hat beson­ders schö­ne und beson­ders nach­denk­lich stim­men­de Pas­sa­gen aus Max Frischs Pro­sa­werk her­aus­ge­sucht – und streut sie ins Mor­gen­pro­gramm ein: Die Frisch-Zel­len sind klei­ne Zufalls­be­geg­nun­gen mit fun­keln­den Hör­stü­cken und Trouvaillen.

Mon­tag, 2. Mai., bis Frei­tag, 6. Mai 2011, 12.00, DRS 2 und im ages­pro­gramm von DRS Virus «DRS2aktuell» / DRS Virus: Frisch geslamt
Jun­ge Autorin­nen und Slam­poe­ten erwei­sen Schrift­stel­ler Max Frisch die Reve­renz. Lau­rin Buser, Nora Gom­rin­ger, Rena­to Kai­ser, Lara Stoll und Rapha­el Urwei­der las­sen sich von Max Frisch inspi­rie­ren: In kur­zen Slams und Raps spie­len sie frei und frank mit Frischs Wor­ten und Zita­ten. Sie zei­gen in der Serie «Frisch gesl­amt» ihre ganz per­sön­li­che Sicht auf den kri­ti­schen Citoy­en und gros­sen Schwei­zer Schrift­stel­ler. Für Ohren- und Augen­men­schen sind die Insze­nie­run­gen der Slam­poe­ten als Video auf der Web­site www.maxfrisch.srf.ch und auf www.drsvirus.ch zu sehen. (Zweit­sen­dung: glei­chen­tags, 17.05 Uhr, DRS 2)

Mitt­woch, 4. Mai 2011, 20.00 Uhr, DRS 2 «Hör­spiel DRS 2»: «Rip van Wink­le» von Max Frisch
Ein Frem­der ohne Aus­weis­pa­pie­re wird ver­haf­tet. Alles deu­tet dar­auf hin, dass es sich um einen vor Jah­ren aus der Stadt ver­schwun­de­nen Bild­hau­er han­delt. Doch der Mann wei­gert sich, einen Namen anzu­neh­men, der ihn wie­der in sein altes Leben zurück­füh­ren muss. Beharr­lich kämpft er gegen die Indi­zi­en sei­nes frü­he­ren Selbst an, aber die Akten sind stär­ker; die Maschi­ne­rie weist ihn auf sei­nen alten Platz zurück. Oskar Wer­ner setzt der Rol­le des Fremd­lings in der «Ham­bur­ger Fas­sung» des Hör­spiels Glanz­lich­ter auf. Musik: Sieg­fried Franz – Regie: Gert West­phal – Pro­duk­ti­on NWDR Ham­burg, 1954 – Dau­er: 60′28″

Mitt­woch, 4. Mai 2011, 22.50 Uhr, SF 1 «Kul­tur­platz»: Frischs Fiche – wie es Max Frisch ob dem Schnüf­fel­staat die Spra­che verschlug
Als uner­müd­li­cher Beob­ach­ter und Kri­ti­ker in einem durch­aus patrio­ti­schen Sinn äus­ser­te sich Max Frisch zeit­le­bens über sei­ne Hei­mat. Vie­len galt er als poli­ti­sches Vor­bild und Vor­den­ker, und sein Werk wur­de mit Aus­zeich­nun­gen und Prei­sen über­häuft. Doch die offi­zi­el­le Schweiz trau­te ihm – unge­ach­tet aller Ehrun­gen – nie so ganz. Als Frisch sei­ne Fiche erhält, das letz­te offi­zi­el­le Doku­ment der Schweiz über ihn, ver­schlägt es ihm, dem Wort­ge­wal­ti­gen, buch­stäb­lich die Sprache.

Don­ners­tag, 5. Mai 2011, 22.45 Uhr, SF zwei «Box Office»: War­um wird Max Frisch so sel­ten verfilmt?
«Box Office» sen­det einen Bei­trag zum The­ma: War­um wird Max Frisch so sel­ten ver­filmt? Liegt’s am feh­len­den Mut oder feh­len­den Rech­ten? Oder sind sei­ne Stof­fe schlicht zu lite­ra­risch und intro­spek­tiv? Lässt sich das «Weis­se zwi­schen den Wor­ten», das Frisch Werk aus­zeich­net, wie Fil­me­ma­cher Alex­an­der J. Sei­ler ein­mal tref­fend beschrieb, par­tout nicht ins Kino trans­por­tie­ren? Die Redak­ti­on fragt dies­be­züg­lich bei Schwei­zer Regis­seu­ren wie Rolf Lys­sy oder Samir nach und stellt Max Frischs glück­lo­se Bezie­hung zum Medi­um Film in einer Ana­ly­se der star­ken Kino-Prä­senz von Fried­rich Dür­ren­matt gegenüber.

Don­ners­tag, 5. Mai 2011, 00.20 Uhr, SF 1 Homo Faber (Spiel­film von Vol­ker Schlön­dorff, Frankreich/Deutschland 1991)
Als der 50-jäh­ri­ge Inge­nieur Wal­ter Faber auf einer sei­ner vie­len Rei­sen die Bekannt­schaft einer schö­nen jun­gen Frau macht, wird er auf schmerz­haf­te Wei­se an sei­ne Ver­gan­gen­heit erin­nert. Die Ver­fil­mung sei­nes wohl berühm­tes­ten Romans «Homo Faber» durch Vol­ker Schlön­dorff hat Max Frisch noch erlebt. Er war davon so ange­tan, dass er dem Regis­seur sei­nen gelieb­ten Jagu­ar schenk­te. SRF zeigt den Film im Rah­men einer Hom­mage an den gros­sen Schwei­zer Schrift­stel­ler und Welt­bür­ger Max Frisch, der am 15. Mai 1911 in Zürich gebo­ren wurde.

Frei­tag, 6. Mai 2011, 20.00 Uhr, DRS 2 «Passage2»: Max Frisch – Vor­bild und Leit­fi­gur? Ein Gespräch mit Die­ter Bachmann
Max Frisch war in der Schweiz für vie­le ein rotes Tuch – und für nicht weni­ge eine intel­lek­tu­el­le und künst­le­ri­sche Leit­fi­gur, der man sich mit Respekt näher­te, an der fast kein Weg vor­bei führ­te. Dies gilt beson­ders für die Gene­ra­ti­on, die auf Frisch folg­te. Zur ihr gehört der Publi­zist und Schrift­stel­ler Die­ter Bach­mann, Jahr­gang 1940. Von der Urauf­füh­rung von «Andor­ra» im Zür­cher Schau­spiel­haus 1961 bis kurz vor Frischs Tod ist Die­ter Bach­mann Max Frisch und sei­nem Werk immer wie­der begeg­net. Und 1991 gab er ein «du» zu Max Frisch her­aus, des­sen Ent­ste­hung Max Frisch noch mit­be­kam. Im Gespräch mit Bar­ba­ra Bas­ting geht Die­ter Bach­mann sei­nen Erin­ne­run­gen an Max Frisch nach. (Zweit­sen­dung: Sonn­tag, 8. Mai 2011, 15.00 Uhr, DRS 2)

Frei­tag, 6. Mai 2011, 20.00 Uhr, DRS 1 «Hör­spiel DRS 1»: «Herr Bie­der­mann und die Brand­stif­ter» von Max Frisch
Es ist ein Klas­si­ker des moder­nen Thea­ters und ein Welt­erfolg son­der­glei­chen: Max Frischs Para­bel­stück vom fahr­läs­si­gen Umgang eines frei­en Bür­gers mit den Fein­den sei­ner Frei­heit. Auf DRS 1 gibt es jetzt ein Wie­der­hö­ren mit der Urver­si­on des «Biedermann»-Stoffes, die Frisch 1953 für das Radio geschrie­ben hat. Brand­stif­ter gehen um in der Stadt, doch Herrn Bie­der­mann küm­mert das nicht, solan­ge es ihn nicht trifft. Und als es ihn trifft, will er es nicht wahr­ha­ben, sogar als Ben­zin­fäs­ser in sein Haus geschafft wer­den. Angst und Fan­ta­sie­lo­sig­keit las­sen ihn glau­ben, er wer­de schon ver­schont blei­ben, wenn er nur mit den Brand­stif­tern pak­tie­re. Schliess­lich drückt er ihnen selbst die Streich­höl­zer in die Hand – als Ver­trau­ens­be­weis. Mit: Hel­mut Win­kel­mann (Ver­fas­ser), Wolf­gang Rott­sie­per (Bie­der­mann), Ger­trud Rudolph (Frau Bie­der­mann), Fred Kret­zer (Schmitz), Paul Felix Binz (Eisen­ring), Susi Aeber­hard (Anna) Regie: Klaus W. Leon­hard – Pro­duk­ti­on: SR DRS 1971; Dauer:71‘

Sams­tag, 7. Mai 2011, 12.00 Uhr, DRS 2 «DRS2aktuell»: «Dich­ter!! Max und Fritz am Poet­ry Slam» – Kurz­hör­spiel von Mat­to Kämpf
«Jeder war der Schat­ten des ande­ren», sag­te Max Frisch zu Leb­zei­ten, im Rück­blick über die wech­sel­vol­le Bezie­hung zum zehn Jah­re jün­ge­ren Dür­ren­matt. «Das hat uns bei­de ver­dros­sen.» Kom­men die bei­den unter­des­sen bes­ser zurecht mit­ein­an­der? Der Ber­ner Autor und Bund-Kolum­nist Mat­to Kämpf («Kri­mi», Raben­va­ter») wen­det sei­nen (mit­un­ter schwar­zen) Humor an das Dich­ter­paar auf luf­ti­ger Wol­ke: Was bewegt sie, wenn sie die heu­ti­ge, akti­ve, so ganz anders klin­gen­de Lite­ra­tur­sze­ne von fer­ne betrach­ten…? Ein Dia­log im Him­mel. (Zweit­sen­dung: glei­chen­tags, 17.05 Uhr, DRS 2) 

Sams­tag, 7. Mai 2011, 21.00 Uhr, DRS 2 «Hör­spiel DRS 2»: «Montauk» nach der gleich­na­mi­gen Erzäh­lung von Max Frisch (Teil 1/2)
Die Erzäh­lung «Montauk» hal­ten vie­le Fach­leu­te für den Höhe­punkt von Max Frischs ohne­hin schon meis­ter­haf­ter Pro­sa­kunst. In jedem Fall ist die­ses Buch über die Lie­be ein radi­kal sub­jek­ti­ves Stück Lite­ra­tur, das bis in die heu­ti­ge Blogo­sphä­re Mass­stä­be setzt. SRF prä­sen­tiert nun in Kopro­duk­ti­on mit dem SWR erst­mals eine Hör­spiel­fas­sung von «Montauk». «Montauk» – das ist die Geschich­te des über 60-jäh­ri­gen Schrift­stel­lers Max und der jun­gen Ver­lags­an­ge­stell­ten Lynn, die sich im Mai 1974 in New York tref­fen. Erzählt wird in prä­zi­sen Moment­auf­nah­men ihre Affä­re, das gemein­sa­me Wochen­en­de mit dem Aus­flug an die Nord­spit­ze von Long Island. Gleich­zei­tig blickt der Autor zurück auf das Leben eines Ehe­man­nes, Lieb­ha­bers, noto­ri­schen Fremd­gän­gers: «Ich möch­te wis­sen, was ich, schrei­bend unter Kunst­zwang, erfah­re über mein Leben als Mann». In einer ein­zig­ar­ti­gen Col­la­ge aus Erin­ne­run­gen, Tage­buch­aus­zü­gen und Selbst­re­fle­xio­nen seziert Frisch sein Lebens- und Lie­bes­bild. Die Über­set­zung ins akus­ti­sche Medi­um ergänzt die offe­ne Struk­tur der Vor­la­ge mit Brie­fen von Uwe John­son und Mari­an­ne Frisch, die sich als direkt Betrof­fe­ne kri­tisch mit der Fra­ge aus­ein­an­der­set­zen: Wie pri­vat darf eine Ver­öf­fent­li­chung sein? So wird auch für heu­ti­ge Ohren erleb- und über­prüf­bar, was Frisch mit sei­nem pro­gram­ma­tisch­pro­ble­ma­ti­schen Ver­such eines «auf­rich­ti­gen» Schrei­bens im Sinn hat­te. Mit: Ueli Jäg­gi (Max), Moni­ca Gil­let­te (Lynn), Tho­mas Sar­ba­cher (Uwe), Susan­ne-Marie Wra­ge (Mari­an­ne). Wei­te­re Stim­men: Rudolf Kas­par, Päi­vi Stal­der, Geri Dil­lier, NN, Eli­sa­beth Schnell, Ani­na Baran­dun, Isa­bel Schae­rer, Reto Ott Tech­nik: Ueli Kar­len, Mir­jam Emmen­eg­ger – Redak­ti­on und Dra­ma­tur­gie: Reto Ott, Dag­mar Schnü­rer – Musik: Fritz Hau­ser Hör­spiel-Bear­bei­tung und Regie: Leon­hard Kop­pel­mann – Pro­duk­ti­on: SR DRS/SWR 2011
(Teil 2: Sams­tag, 14. Mai 2011, 21.00 Uhr, DRS 2)

Sonn­tag, 8. Mai 2011, 23.05 Uhr, SF 1 Max Frisch, Citoy­en (Mat­thi­as von Gun­ten, Schweiz 2008)
Der Doku­men­tar­film ver­leiht Max Frisch den Titel «Citoy­en». Nicht von unge­fähr, der Schwei­zer Schrift­stel­ler von Welt­ruf war immer auch ein enga­gier­ter Staats­bür­ger. Stets hat er Stel­lung zum aktu­el­len Zeit­ge­sche­hen genom­men, sel­ten aber im Sin­ne der poli­ti­schen Mehr­heit. So erstaunt es nicht, dass Frisch schon früh auf die Lis­te poten­zi­el­ler Schwei­zer Staats­fein­de geriet. Bis kurz vor sei­nem Tod wur­de Frisch minu­ti­ös von den Schwei­zer Staats­schüt­zern über­wacht, sei­ne Akti­vi­tä­ten wur­den fichiert. Der Bas­ler Fil­me­ma­cher Mat­thi­as von Gun­ten lässt sich in sei­ner fil­mi­schen Rei­se durch Frischs Tex­te und Reden von berühm­ten Freun­den des Schrift­stel­lers sekun­die­ren. So schil­dern Peter Bich­sel, Gün­ter Grass, Chris­ta Wolf, Hel­mut Schmidt oder Hen­ry Kis­sin­ger, wie sie Max Frisch erlebt haben. In auf­wen­digs­ten Recher­chen fand von Gun­ten zudem zeit­ge­treue Bild­do­ku­men­te, die er am Schnitt­platz zu eigent­li­chen Erin­ne­rungs­land­schaf­ten kom­po­niert, ohne dass die­se zu sehr von Frischs ein­drück­li­chen Tex­ten ablenken.

Mon­tag, 9. Mai 2011, 14.00 Uhr, DRS 1 «Hör­spiel DRS 1»: Em Phil­ipp Hotz sy gros­si Wuet – Dia­lekt­hör­spiel nach dem gleich­na­mi­gen Schwank von Max Frisch
Das ein­ak­ti­ge Stück um einen Wut­bür­ger, der sich ganz unpo­li­tisch im ehe­li­chen Klein­krieg auf­reibt, wur­de 1958 gemein­sam mit «Bie­der­mann und die Brand­stif­ter» zur Urauf­füh­rung gebracht, qua­si als des­sen Nach­spiel. Dem mun­te­ren Schwank blieb aller­dings im Gegen­satz zur mus­ter­haf­ten Para­bel die Welt­gel­tung ver­sagt. Phil­ipp Hotz hat sei­ne Frau Dor­li in den Klei­der­schrank gesperrt und räumt die Woh­nung aus. Er will sich end­lich und end­gül­tig von ihr tren­nen. Da flie­gen die Fet­zen, kra­chen die Möbel und kocht die Stim­mung. Charles Benoit insze­nier­te die­ses eben­so hand­fes­te wie komi­sche Ehe­dra­ma – das ja ursprüng­lich als Hör­spiel kon­zi­piert wor­den war – 1983 für das Radio, in einer Mund­art­fas­sung von dama­li­gen Stu­den­ten der Thea­ter­wis­sen­schaft in Bern. Mit: Franz Mat­ter (Phil­ipp Hotz), Sil­via Jost (Dor­li), René Bes­son (Wil­fried), Rena­te Mül­ler (Cla­ris­sa), Hans­pe­ter Otti (Der alte Dienst­mann), Peter Frei­burg­haus (Der jun­ge Dienst­mann), Bri­git­te Bis­seg­ger (Jump­fer), Die­ter Stoll (Schwei­zer Zöll­ner), Pierre Kocher (Fran­zö­si­scher Zöllner/Ausrufer), Charles Benoit (Gar­çon) Regie: Charles Benoit – Pro­duk­ti­on: SR DRS 1983; Dau­er: 34‘

Diens­tag, 10. Mai 2011, 10.00 Uhr, DRS 2 «Refle­xe»: Wie ist Max Frisch in der fran­zö­si­schen Schweiz angekommen?
Wie haben die Lese­rin­nen und Leser in der fran­zö­si­schen Schweiz Max Frisch wahr­ge­nom­men? Wie die Kri­ti­ker? Wird er in den Gym­na­si­en gele­sen? Wes­halb gewinnt man den Ein­druck, dass Fried­rich Dür­ren­matt in der West­schweiz bis zum heu­ti­gen Tag viel prä­sen­ter ist als Max Frisch? Hat er viel­leicht bei wel­schen Autoren Spu­ren hin­ter­las­sen? Mar­tin Heu­le spricht dar­über mit dem West­schwei­zer Lite­ra­tur­kri­ti­ker Wil­fred Schilt­knecht und dem Pro­fes­sor für Neue­re deut­sche Lite­ra­tur an der Uni­ver­si­tät Lau­sanne, Peter Utz. (Zweit­sen­dung: glei­chen­tags, 22.00 Uhr, DRS 2)

Diens­tag, 10. Mai 2011, 14.05 Uhr, DRS 1 «Schwiiz und quer»: «Was fehlt Ihnen zum Glück?»
Der Schwei­zer Schrift­stel­ler Max Frisch woll­te es ganz genau wis­sen. Dies kommt in den elf Fra­ge­bo­gen beson­ders deut­lich zum Aus­druck, die er in sei­nem «Tage­buch 1966–1971» ver­öf­fent­lich­te. Dut­zen­de von Fra­gen stell­te er, grup­piert nach ver­schie­de­nen The­men. Wie viel Hei­mat brau­chen Sie? Wofür sind Sie dank­bar? Was ertra­gen Sie nur mit Humor? Die Fra­gen von Max Frisch sind heu­te so aktu­ell wie damals vor 40 Jah­ren. Lite­ra­tur-Redak­to­rin Ani­ta Rich­ner dis­ku­tiert dar­über mit der Musi­ke­rin Eri­ka Stu­cky und dem Flug­ha­fen­seel­sor­ger Wal­ter Meier.

Mitt­woch, 11. Mai 2011, 14.05 Uhr, DRS 1 «Hör­bar»: Hör­bü­cher zu Max Frisch
Pünkt­lich zu den bei­den Max Frisch Jubi­lä­en erschei­nen auch diver­se Max-Frisch-Hör­bü­cher. Allei­ne der Schwei­zer Chris­toph Meri­an Ver­lag war­tet mit zwei neu­en Pro­duk­tio­nen auf: «Der Graf von Öder­land» als Hör­spiel und die Doku­men­ta­ti­on «Max Frisch spricht». Aber Max Frisch war schon immer gut doku­men­tiert, und so gibt es ein gros­ses Ange­bot an Max-Frisch-Hör­bü­chern, deren Mate­ri­al bis in die 1960er-Jah­re zurück­reicht, bis zur Urauf­füh­rung von «Andor­ra» am Schau­spiel­haus Zürich. Die «Hör­bar» stellt alte und neue Max-Frisch-Hör­bü­cher vor.

Mitt­woch, 11. Mai 2011, 20.00 Uhr, DRS 2 «Hör­spiel DRS 2»: «Der Graf von Öder­land» – Dra­ma­ti­sche Skiz­ze aus dem «Tage­buch 1946–1949» von Max Frisch
Die Figur des Gra­fen Öder­land mit der Axt in der Hand hat Max Frisch nie ganz los­ge­las­sen. Zum ers­ten Mal taucht sie in einer dra­ma­ti­schen Skiz­ze in sei­nem ers­ten Tage­buch auf zum The­ma: der Aus­bruch aus einem Zivi­li­sa­ti­ons­kor­sett, in dem die «See­len ver­sklavt» wer­den. Trä­ger der Hand­lung ist ein Ober­rich­ter, der – ver­stört durch den Fall eines Mör­ders ohne Motiv – in den Wald flüch­tet; dort wird er zur qua­si­my­thi­schen Figur des Gra­fen Öder­land, der sich den Weg zur Frei­heit mit der blan­ken Axt bahnt: «Herr­lich sind wir und frei!» Mit Hans­pe­ter Mül­ler-Dros­saart als Erzähler/Max Frisch, Felix von Man­teuf­fel als Graf von Öder­land und vie­len ande­ren – Kom­po­si­ti­on: Alfred Zim­mer­lin – Radio­fas­sung und Regie: Ste­phan Heil­mann – Pro­duk­ti­on Schwei­zer Radio und Fern­se­hen, 2003 – Dau­er: 67′30″

Mitt­woch, 11. Mai 2011, 22.55 Uhr, SF 1 «Kul­tur­platz»: Andor­ra und Andri auf immer?
Max Frischs Stück Andor­ra sorgt bis heu­te für aus­ver­kauf­te Thea­ter­häu­ser. Ein erstaun­li­cher Erfolg, obwohl die Geschich­te nach­wie­vor aktu­ell und stark ist. Doch die arg mora­lin­saure Form des Lehr­stücks, in der Max Frisch sie erzählt, wirkt heu­te völ­lig über­holt. «Kul­tur­platz» geht der Fra­ge nach, wie­so das Stück die Zuschau­er trotz­dem in Scha­ren anzieht.

Mitt­woch, 11. Mai 2011, 00.05 Uhr, SF 1 Bie­der­mann und die Brandstifter
Max Frischs berühm­tes Thea­ter­stück «Bie­der­mann und die Brand­stif­ter» – in einer Fern­seh­um­set­zung, für die Frisch 1966 eigens eine neue Fas­sung des Dra­mas schrieb. Max Frisch lässt in die­ser Fern­seh­um­set­zung sei­ne Haupt­fi­gur, Herrn Bie­der­mann, in einem Inter­view Stel­lung neh­men, was gesche­hen ist. Die Geschich­te – erzählt er – beginnt damit, dass Brand­stif­ter in der Stadt umge­hen. Solan­ge es ihn selbst nicht trifft, bleibt Herr Bie­der­mann gelas­sen. Nicht ein­mal, als sich zwei Hau­sie­rer auf sei­nem Dach­bo­den ein­nis­ten und unbe­küm­mert Ben­zin­fäs­ser in den Dach­bo­den hin­auf schaf­fen, will Herr Bie­der­mann die Rea­li­tät wahr­ha­ben. Ein noto­ri­scher Idyl­li­ker ist er, die­ser Bie­der­mann. Angst und Fan­ta­sie­lo­sig­keit las­sen ihn glau­ben, er wer­de schon ver­schont blei­ben, wenn er nur mit den Brand­stif­tern pak­tie­re. Sei­ne Nai­vi­tät gip­felt in der Sze­ne, in der er den Brand­stif­tern als Ver­trau­ens­be­weis gar noch die Streich­höl­zer gibt, um die sie ihn gebe­ten haben, und das Schick­sal sei­nen Lauf nimmt.

Don­ners­tag, 12. Mai 2011, 14.05 Uhr, DRS 1 «Wort­Ort»: Besuch im Radio-Archiv
Das Archiv von Schwei­zer Radio DRS birgt vie­le Schät­ze. Auch vie­le Auf­nah­men von Max Frisch: Thea­ter­stü­cke, Hör­spie­le, Lesun­gen, aber auch Reden und Gesprä­che. Man­che die­ser Auf­nah­men sind heu­te rich­ti­ge Trou­vail­len, wie eine aus dem Jahr 1970, die Max Frisch im Gespräch mit dem jun­gen Peter Bich­sel zeigt. Lite­ra­tur­re­dak­tor Hans Ulrich Probst, sel­ber oft Gesprächs­part­ner von Max Frisch, führt durchs Radio-Archiv und erzählt von den Hin­ter­grün­den der Max Frisch-Aufnahmen.

Don­ners­tag, 12. Mai 2011, 22.45 Uhr, SF zwei «Box Office»: Mat­thi­as von Gun­tens neu­es Film­pro­jekt über Max Frisch
In einem Bei­trag zur Doku­men­ta­ti­on «Max Frisch: Zürich-Tran­sit. Das geschei­ter­te Film­pro­jekt» stellt «Box Office» Mat­thi­as von Gun­tens neu­es Film­pro­jekt vor. Die Dreh­ar­bei­ten zu Frischs ehr­gei­zi­gem Ver­such, einen Spiel­film zu ver­wirk­li­chen, muss­ten zwei Mal nach weni­gen Dreh­ta­gen abge­bro­chen wer­den, weil gleich zwei Regis­seu­re nach kur­zer Zeit schwer erkrank­ten. Mit einem Ver­lust von meh­re­ren hun­dert­tau­send Fran­ken wur­de das Pro­jekt begra­ben, die gedreh­ten Sze­nen ver­schwan­den in einem Archiv. Mehr Ertrag bei deut­lich weni­ger Auf­wand erziel­ten die Teil­neh­mer unse­res Zuschau­er-Wett­be­werbs. Ihre 100-Sekun­den-Fil­me zum The­ma Max Frisch sind auf www.frischfilm.ch zu sehen. Den bes­ten Wett­be­werbs-Bei­trag zei­gen wir in unse­rer Sendung.

Frei­tag, 13. Mai 2011, 20.00 Uhr, DRS 2 «Passage2»: 100 Jah­re Max Frisch – der Autor im Originalton
Viel ist seit Anfang die­ses Frisch-Jah­res, in dem innert sechs Wochen 20. Todes­tag und 100. Geburts­tag des bedeu­ten­den Schwei­zer Schrift­stel­lers began­gen wer­den, über Max Frisch gesagt und geschrie­ben wor­den. In der «Passage2» kommt nun aus­schliess­lich der Autor selbst zu Wort – in Gesprä­chen, Rede­aus­schnit­ten und Lese­bei­spie­len aus sei­nen Tex­ten aus allen Jahr­zehn­ten sei­nes Schaf­fens. Redak­ti­on die­ser für Frisch-Ken­ner und ‑Nicht-Ken­ner kon­zi­pier­ten Col­la­ge: Hans Ulrich Probst (Zweit­sen­dung: Sonn­tag, 15. Mai 2011, 15.00 Uhr, DRS 2)

Frei­tag, 13. Mai 2011, ab 00.10 Uhr, SF 1 The­men­nacht Max Frisch
Max Frisch hat im Fern­seh­ar­chiv zahl­rei­che Spu­ren hin­ter­las­sen, auch wenn sei­ne eige­nen fil­mi­schen Plä­ne geschei­tert sind. Er stand für Inter­views und Gesprä­che zur Ver­fü­gung, und als öffent­li­che Per­son wur­de er schon früh und bis kurz vor sei­nem Tod von den Kame­ras beglei­tet. In unse­rer Film­nacht zei­gen wir Trou­vail­len aus unse­rem Archiv, in denen das Publi­kum Max Frisch und sei­ne Per­sön­lich­keit erle­ben kann. Legen­dä­re Gesprä­che wie jenes mit Bun­des­rat Kurt Furg­ler oder Auf­füh­run­gen sei­ner Stü­cke wie «Andor­ra» fin­den sich eben­so dar­un­ter wie fil­mi­sche Porträts.

00.10 Uhr: Ein Besuch bei Max Frisch von Corin­ne Pul­ver (1961)
00.50 Uhr: Unter uns gesagt – Kurt Furg­ler und Max Frisch (1978)
01.50 Uhr: Tele­büh­ne: «Andor­ra» (1980)
05.10 Uhr: Max Frisch: Beruf Schrift­stel­ler (1986)

Sams­tag, 14. Mai 2011, 21.00 Uhr, DRS 2 «Hör­spiel DRS 2»: «Montauk» nach der gleich­na­mi­gen Erzäh­lung von Max Frisch (Teil 2/2)
«Montauk» – das ist die Geschich­te des über 60-jäh­ri­gen Schrift­stel­lers Max und der jun­gen Ver­lags­an­ge­stell­ten Lynn, die sich im Mai 1974 in New York tref­fen. Erzählt wird in prä­zi­sen Moment­auf­nah­men ihre Affä­re, das gemein­sa­me Wochen­en­de mit dem Aus­flug an die Nord­spit­ze von Long Island. Gleich­zei­tig blickt der Autor zurück auf das Leben eines Ehe­man­nes, Lieb­ha­bers, noto­ri­schen Fremd­gän­gers: «Ich möch­te wis­sen, was ich, schrei­bend unter Kunst­zwang, erfah­re über mein Leben als Mann». In einer ein­zig­ar­ti­gen Col­la­ge aus Erin­ne­run­gen, Tage­buch­aus­zü­gen und Selbst­re­fle­xio­nen seziert Frisch sein Lebens- und Lie­bes­bild. Die Über­set­zung ins akus­ti­sche Medi­um ergänzt die offe­ne Struk­tur der Vor­la­ge mit Brie­fen von Uwe John­son und Mari­an­ne Frisch, die sich als direkt Betrof­fe­ne kri­tisch mit der Fra­ge aus­ein­an­der­set­zen: Wie pri­vat darf eine Ver­öf­fent­li­chung sein? So wird auch für heu­ti­ge Ohren erleb- und über­prüf­bar, was Frisch mit sei­nem pro­gram­ma­tisch­pro­ble­ma­ti­schen Ver­such eines «auf­rich­ti­gen» Schrei­bens im Sinn hatte.

Sams­tag, 14. Mai 2011, 23.00–02.30 Uhr, DRS 2 Radio­hör­nacht «Frisch gehört!»
Das Archiv von Schwei­zer Radio DRS birgt umfas­sen­de Bestän­de zu Max Frisch; sie rei­chen von frü­hen Lesun­gen aus dem Jahr 1937, die inzwi­schen muse­ums­reif sind, bis zu sei­nen ful­mi­nan­ten Reden weni­ge Jah­re vor sei­nem Tod. DRS 2 hat die­se Bestän­de gesich­tet und ein attrak­ti­ves Hör­pro­gramm zusam­men­ge­stellt. Max Frisch 1964 im Gespräch mit den dama­li­gen Star­kri­ti­kern Hans May­er und Mar­cel Reich-Rani­cki; Max Frisch, der aus sei­nen Tage­bü­chern liest, Max Frisch im Gespräch mit Schü­lern über «Wil­helm Tell für die Schu­le»; Max Frisch in einer Lese­fas­sung des Thea­ter­stücks «Zürich-Tran­sit»; Max Frisch mit wich­ti­gen Reden wie jener über die «Schweiz als Hei­mat» zur Ver­lei­hung des Schil­ler­prei­ses oder über das Ende der Auf­klä­rung 1986 in Solo­thurn – ein Quer­schnitt, der vie­le Facet­ten sei­nes Werks und vor allem aber sei­ne Stim­me und den ein­zig­ar­ti­gen Duk­tus sei­ner Spra­che hör­bar macht.

Sonn­tag, 15. Mai 2011, 11.00 Uhr, SF 1 «Stern­stun­de Phi­lo­so­phie»: Max Frisch – was nun?
Vor 100 Jah­ren gebo­ren, vor 20 Jah­ren gestor­ben – Max Frisch gehört zum Kanon der deut­schen Lite­ra­tur und wird zum Klas­si­ker. Doch wohin geht die Rei­se sei­nes Werks aus­ser­halb der Ger­ma­nis­tik? Wie liest und spürt ihn eine Gene­ra­ti­on, die den Aktiv­dienst nicht gekannt hat und für die das Frau­en­stimm­recht Selbst­ver­ständ­lich­keit ist? Wie sehr erken­nen wir uns wie­der in Frischs Bestre­ben nach Ehr­lich­keit, sei­nem Bestehen auf Ver­än­de­rung und sei­ner per­ma­nen­ten Flucht vor Gleich­mass, Sess­haf­tig­keit und Gewohn­heit? Was kön­nen wir anfan­gen mit sei­ner Betrof­fen­heit, der lebens­lan­gen Aus­ein­an­der­set­zung mit den The­men Bio­gra­fie, Lie­be, Mili­tär und dem Lei­den an der Schweiz der Nach­kriegs­zeit. Was sagen wir zu sei­nen Kämp­fen mit den Mythen einer Hei­mat, die – wie er sag­te – kein Ziel mehr habe, weil sie am Ziel sei? Frischs Bücher und Thea­ter­stü­cke wer­den nicht nur im Jubi­lä­ums­jahr gele­sen und gespielt. Das Aben­teu­er, Frisch immer wie­der neu zu erkun­den, wirkt intakt, sein Fra­ge­bo­gen zielt bis heu­te auf unse­ren Kern, und «Montauk» von 1975 liest sich so, als habe das berühm­te Wochen­en­de auf Long Island eben erst statt­ge­fun­den. Juli­an Schütt, einer der bes­ten Ken­ner von Leben und Werk des Schrift­stel­lers und Autor von «Max Frisch. Bio­gra­fie eines Auf­stiegs» (2011) dis­ku­tiert zusam­men mit der Schrift­stel­le­rin Melin­da Nadj Abon­ji und dem Mode­ra­tor Juri Stei­ner über den Schwei­zer Welt­au­tor, der in sei­ne Kunst und Zeit ver­wi­ckelt war und über den man bis heu­te ger­ne streitet.

Sonn­tag, 15. Mai 2011, 12.00 Uhr, SF 1 «Stern­stun­de Kunst»: Max Frisch: Zürich-Tran­sit. Das geschei­ter­te Film­pro­jekt – Eine doku­men­ta­ri­sche Nach­er­zäh­lung von Mat­thi­as von Gunten
1965 began­nen in Zürich die Dreh­ar­bei­ten zu Max Frischs soge­nann­ter Film­skiz­ze «Zürich-Tran­sit»: ein Mann ent­deckt, dass er irr­tüm­lich für tot gehal­ten wird, doch statt sei­ner Frau und sei­nen Ange­hö­ri­gen mit­zu­tei­len, dass er noch lebt, ent­schliesst er sich, die Situa­ti­on aus­zu­nüt­zen und ein neu­es Leben zu begin­nen. Die Dreh­ar­bei­ten zu Frischs ehr­gei­zi­gem Ver­such, einen Spiel­film zu ver­wirk­li­chen, muss­ten zwei Mal nach weni­gen Dreh­ta­gen abge­bro­chen wer­den, weil sowohl der ers­te Regis­seur Erwin Lei­ser als auch der zwei­te, Bern­hard Wicki, nach kur­zer Zeit schwer erkrank­ten. Mit einem Ver­lust von meh­re­ren hun­dert­tau­send Fran­ken wur­de das Pro­jekt begra­ben, die gedreh­ten Sze­nen ver­schwan­den in einem Archiv. Nun wer­den gewich­ti­ge Tei­le die­ser Auf­nah­men zugäng­lich gemacht. Auch eine sze­ni­sche Lesung des Autors zum glei­chen Werk vor Publi­kum in Ber­lin darf neu ent­deckt wer­den. Aus bei­dem, sowie mit den Bei­trä­gen von Zeit­zeu­gen hat Mat­thi­as von Gun­ten die Geschich­te jenes Unter­fan­gens nach­er­zählt, das Max Frisch ein­mal mehr im Ban­ne sei­nes Grund­the­mas zeigt: der Fra­ge nach der eige­nen Identität.



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