Bild: Wiener Festwochen 2012, Constanza Macras | DorkyPark "OPEN FOR EVERYTHING" Premiere: 10.5.2012 im Museumsquartier Halle G, Inszenierung/Choreografie: Constanza Macras, Dramaturgie: Carmen Mehnert, Buehne: Tal Shacham, Kostueme: Gilvan Coêlho de Oliveira, mit: Emil Bordás (HU), Hilde Elbers (NL), Anouk Froidevaux (CA), Fatima Hegedüs (HU), Ádám Horváth (HU), László Horváth (HU), Hyoung-Min Kim (ROK), Denis Kuhnert (D), Viktória Lakatos (HU), Zoltán Lakatos (HU), Iveta Millerová (CZ), Elik Niv (ISR), János Norbert Orsós (HU), Monika Peterová (CZ), Rebeka Rédai (HU), Marketa Richterová (CZ), Ivan Rostás (HU), Magdolna Rostás (HU), Viktor Rostás (HU), Copyright (C) Thomas Aurin Gleditschstr. 45, D-10781 Berlin Tel.:+49 (0)30 2175 6205 Mobil.:+49 (0)170 2933679 Abdruck nur gegen Honorar zzgl. 7% MWSt. und Belegexemplar Steuer Nr.: 11/18/213/52812, UID Nr.: DE 170 902 977 Commerzbank, BLZ: 810 80 000, Konto-Nr.: 316 030 000 SWIFT-BIC: DRES DE FF 810, IBAN: DE07 81080000 0316030000

Die Welt zu Gast am Zürichsee

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Von Fabi­en­ne Nae­ge­li – Das 33. Zür­cher Thea­ter Spek­ta­kel war­tet mit alten Bekann­ten und neu­en Talen­ten auf: Vor zwei Jah­ren war der thai­län­di­sche Cho­reo­graf Pichet Klun­chun und sei­ne Dance Com­pa­ny mit der Tanz­thea­ter­pro­duk­ti­on «Nijin­sky Siam» am Zür­cher Thea­ter Spek­ta­kel zu sehen. In der dies­jäh­ri­gen Aus­ga­be des inter­na­tio­na­len Tref­fens frei­er Theater‑, Tanz‑, Musik- und Per­for­mance-Künst­le­rIn­nen prä­sen­tiert Klun­chun sei­ne neus­te Arbeit «Black and White». Damit setzt er sei­ne Refle­xi­on und Wei­ter­ent­wick­lung tra­di­tio­nel­ler, asia­ti­scher Tanz­kunst durch zeit­ge­nös­si­sche Bewe­gungs­spra­che fort. Der ursprüng­lich nur am Hof auf­ge­führ­te Mas­ken­tanz, Khon, basiert auf dem indi­schen Rama­ya­na-Epos und han­delt vom Kampf zwi­schen Gut und Böse. Die Tän­ze­rIn­nen von Klunchun’s Com­pa­ny haben alle­samt eine Aus­bil­dung in tra­di­tio­nel­lem Khon-Tanz durch­lau­fen. Über den west­lich-urba­nen Zugriff auf die Tra­di­ti­on recher­chie­ren sie nach ihrer eige­nen Iden­ti­tät, und bege­ben sich auf die Suche nach der Balan­ce zwi­schen ein­an­der wider­stre­ben­den Kräf­ten, um inne­ren und gesell­schaft­li­chen Frie­den zu erlangen.

Pri­mär nicht mit der eige­nen, son­dern mit einer frem­den Kul­tur befas­sen sich die Thea­ter­kol­lek­ti­ve Mass&Fieber (Schweiz) und Don Qui­xo­te (Iran) in «Tell/Zahhak». Anläss­lich des Pro­jekts «500 Jah­re Tell­spie­le Alt­dorf» tau­schen sie ihre natio­na­len Frei­heits­my­then. Das Ensem­ble aus Tehe­ran setzt sich mit Wil­helm Tell aus­ein­an­der, und die Schwei­ze­rIn­nen mit dem Schmied Kaveh aus dem «Buch der Köni­ge» des Dich­ters Fer­dowsi. Wie Tell muss auch Kaveh gegen einen des­po­ti­schen Herr­scher, Zah­hak, kämp­fen, um sei­nen Sohn zu ret­ten, und bewirkt damit einen Volks­auf­stand. Die bei­den Thea­ter­grup­pen schaf­fen eine eige­ne thea­tra­le Umset­zung der Epen, indem sie auf die Form­spra­che der ande­ren Kul­tur zurück­grei­fen und sie mit der eige­nen Ästhe­tik ver­knüp­fen. Im drit­ten, gemein­sa­men Teil des Stücks «Gar­ten der Hel­den» tref­fen die bei­den Frei­heits­kämp­fer aufeinander.

Ein Schwer­punkt des dies­jäh­ri­gen Thea­ter Spek­ta­kels bil­det Ost­eu­ro­pa, ins­be­son­de­re die eth­nisch-kul­tu­rel­le Min­der­heit der Roma. In «Open for Ever­y­thing», dem Tanz­thea­ter­stück der argen­ti­ni­schen Cho­reo­gra­fin Con­stan­za Macras und ihrer Com­pa­gnie Dor­ky­Park in Zusam­men­ar­beit mit Roma-Sän­ge­rIn­nen und ‑Tän­ze­rIn­nen, wird vom Leben als Roma erzählt. Auf Anre­gung des Goe­the-Insti­tuts hat Macras Roma­sied­lun­gen in Ungarn, Tsche­chi­en und der Slo­wa­kei bereist. Mit einer Mischung aus Roma-Folk­lo­re, Dis­co und zeit­ge­nös­si­schem Tanz wer­den ein­zel­ne Geschich­ten der Mit­wir­ken­den berich­tet, die sich zwi­schen einem roman­ti­sier­ten Bild des fah­ren­den Vol­kes und der von Ver­fol­gung, Aus­gren­zung und Vor­ur­tei­len gepräg­ten sozia­len Rea­li­tät bewegen.

Eine wei­te­re Pro­duk­ti­on, die sich mit der Situa­ti­on der Roma aus­ein­an­der­setzt, ist Béla Pin­tér & Tar­su­la­tas Sozi­al­dra­ma «Szutyok/Miststück». Ein Ehe­paar aus einer unga­ri­schen Pro­vinz adop­tiert zwei Teen­ager. Das eine der Mäd­chen hat häss­li­che Zäh­ne, das ande­re ist eine Roma. Aus den bei­den Freun­din­nen wer­den Fein­din­nen, die das gesam­te Dorf in Auf­ruhr ver­set­zen und mit Tra­di­tio­nen bre­chen. Je mehr sich rechts­na­tio­na­ler Frem­den­hass, Kor­rup­ti­on, sozia­le Abhän­gig­keits- und Macht­be­zie­hun­gen offen­ba­ren, des­to gro­tes­ker wird die folk­lo­ris­ti­sche Musik des Stücks.

Gesang als revo­lu­tio­nä­re Kraft und Spra­che als Macht- sowie Herr­schafts­in­stru­ment und Mit­tel der Gewalt wird in Mar­ta Gór­nick­as «Tu mówi chór/Hier spricht der Chor» gezeigt. 25 pol­ni­sche Frau­en unter­schied­li­cher Gene­ra­tio­nen leh­nen sich flüs­ternd und schrei­end gegen ste­reo­ty­pe Frau­en­bil­der der west­li­chen Kon­sum­ge­sell­schaft auf. Mit Text­frag­men­ten aus grie­chi­schen Tra­gö­di­en, den Wer­ken Beau­voirs, But­lers und Jelin­eks, sowie mit Zita­ten aus Fil­men, Frau­en­ma­ga­zi­nen und mit Wer­be­slo­gans hin­ter­fra­gen sie Rollenklischees.

Neu fin­det wäh­rend drei Tagen ein Fes­ti­val im Fes­ti­val statt. Die Platt­form für jun­ge Kunst­schaf­fen­de nennt sich «Short Pie­ces». Zwi­schen 30 und 60 Minu­ten dau­ern die Solo/­Duo-Per­for­mance-Häpp­chen. Mit bra­si­lia­ni­schem Hip Hop- und Street Dance, einer süd­afri­ka­ni­schen Stand-up Come­dy um Wahr­neh­mun­gen der Haut­far­be, Rol­len und Mas­ken, mit einer tän­ze­risch-musi­ka­li­schen Dekon­struk­ti­on des Afri­ka-Bil­des, einer mit Seh­ge­wohn­hei­ten spie­len­den Pole-Dance-Per­for­mance aus den Phil­ip­pi­nen, sowie einer Aus­ein­an­der­set­zung mit aktu­el­len Ereig­nis­sen in Ägyp­ten und einem Video-Objekt-Pup­pen­thea­ter aus Süd­ko­rea lädt das Zür­cher Thea­ter Spek­ta­kel auf eine Ent­de­ckungs­tour ein.

Das Zür­cher Thea­ter Spek­ta­kel fand vom 16.8. bis am 2.9.2012 statt.
Infos: www.theaterspektakel.ch

Foto: zVg.
ensuite, August 2012



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