Host cont­ac­ted, wai­ting for rep­ly. Still waiting.

Von

|

Drucken

Von Chris­ti­ne Wan­ner - Ein neu­es Zeit­al­ter bricht an! Wir ste­hen an der Schwel­le zur Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft. Inves­tie­ren Sie in Ihr Wis­sen, in Tech­no­lo­gie-Akti­en, besu­chen Sie Com­pu­ter­kur­se und auch sol­che, die Ihnen den Weg durch das welt­wei­te Netz wei­sen Ja, wer woll­te nicht dazu­ge­hö­ren, zu die­ser Revo­lu­ti­on, die uns das Hyper­me­di­um Inter­net Mit­te der Neu­zi­ger-Jah­re bescher­te. Schliess­lich rea­li­sier­te es den alten Traum vom anar­chisch orga­ni­sier­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel, das die Welt zu einem glo­ba­len Dorf schrump­fen lässt und uns alle zu poten­ti­el­len Infor­ma­ti­ons-Ver­mitt­le­rin­nen und ‑Emp­fän­gern macht.

Nun gut, las­sen wir das. Der Fall kam früh genug und er war tief. Nicht nur jener der Akti­en-Kur­se, auch wir tra­fen hart auf, so dass die Visi­on arg erschüt­tert wur­de. Seit­her trös­ten wir uns mit SMS-Kur­sen, decken uns ein mit Breit­band-Anschlüs­sen, damit wir schnel­ler gra­tis Musik aus dem Netz her­un­ter­la­den kön­nen, träu­men vom Alles-in-Einem-Gerät. Der­weil hat sich auch die Visi­on vom Sturz erholt. Sie hat sich auf­ge­rap­pelt und beflü­gelt nun die poli­ti­sche Agen­da der UNO.

Bis 2015 will Kofi Annan alle Orte der Welt ange­schlos­sen haben, um mit Bil­dung Per­spek­ti­ven aus der Armut zu schaf­fen. Um den digi­ta­len Gra­ben zu ver­rin­gern, der das glo­ba­le Dorf spal­tet. Der digi­ta­le Gra­ben ver­läuft ent­lang der Ein­kom­mens­kur­ve und dem Bil­dungs­ni­veau. Gera­de mal 15 Pro­zent der Welt­be­völ­ke­rung steht an der Schwel­le zur Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft, mit drei­zehn­mal mehr Com­pu­tern, neun­mal mehr Inter­net- und vier­mal mehr Tele­fon­zu­gän­gen als die rest­li­chen 85 Pro­zent der Menschheit.

Um die­ses kras­se Ver­hält­nis zu nivel­lie­ren, tra­fen sich inter­na­tio­na­le Polit­grös­sen, Ver­tre­te­rIn­nen der UNO und wei­te­ren Orga­ni­sa­tio­nen zum Welt-Infor­ma­ti­ons­gip­fel. Nach Genf im Jahr 2003 lud nun Tunis zu Gesprä­chen, nach all­ge­mein­ver­bind­li­chen, mehr­heits­fä­hi­gen Zusa­gen nun also kon­kre­te Plä­ne und vor allem finan­zi­el­le Mit­tel, um der Visi­on einen Klick näher zu kommen.

Host cont­ac­ted.

Die Theo­rie sagt: Wer sich an einem Netz­werk betei­ligt, erhöht den Nut­zen aller. Täg­lich sol­len etwa 7 Mil­lio­nen neue Web­sei­ten ent­ste­hen. Aller­dings stei­gen die Kos­ten eines Inter­net-Anschlus­ses, je wei­ter weg er sich von den Zen­tren befin­det. In den USA und Euro­pa lie­gen die «Daten­au­to­bah­nen», die brei­ten Lei­tun­gen, die schnel­len Anschlüs­se, die Software-Patente.

Wai­ting for reply.

Inter­es­san­te Ant­wor­ten kom­men aus den Län­dern, die den Anschluss suchen, selbst etwa aus Ban­gla­desch: Nicht ein­mal ein Pro­zent der Ban­gla­de­schi ver­fügt über einen Inter­net-Anschluss. Wie in ande­ren Ent­wick­lungs­län­dern kommt es lau­fend zu Strom­un­ter­brü­chen. Pri­va­te Radiound Fern­seh­sta­tio­nen sind rela­tiv frei, die Print­me­di­en eben­falls. Eine Mehr­heit der Bevöl­ke­rung kann weder lesen noch schrei­ben. Doch das Bil­lig-Mobil­te­le­fon boomt. Lan­ciert wur­de es von der Gra­meen­Bank, die sich als «Begrün­de­rin» der Mikro­kre­di­te inter­na­tio­na­les Renom­mee ein­ge­holt hat. Nur mit kos­ten­güns­ti­gen Pro­duk­ten kann das Gefäl­le über­brückt wer­den. Am Welt­in­for­ma­ti­ons­gip­fel prä­sen­tier­te das Mas­sa­chus­setts Insti­tu­te of Tech­no­lo­gy einen netz­fä­hi­gen, kabel­lo­sen Lap­top, der mit kos­ten­frei­er Soft­ware läuft – das Vor­zei­ge­ob­jekt, das den Bedin­gun­gen in den Ent­wick­lungs­län­dern Rech­nung trägt. Künf­ti­ger Kos­ten­punkt: 100 Dollar.

Zum Abschluss des Gip­fels einig­ten sich die Län­der­ver­tre­ter auf einen Fonds, aus dem sol­che und wei­te­re Pro­jek­te finan­ziert wer­den sol­len. Klingt gut. Klingt wie­der­um nach Visi­on und Visio­nen sind essen­ti­ell für die Mensch­heit. Sind essen­ti­ell für den Fort­be­stand, um den gera­de «Glo­bal Play­ers» wett­ei­fern. Die skan­di­na­vi­schen Han­dy-Her­stel­ler inter­es­sie­ren sich für Betei­li­gun­gen an den ban­gla­de­si­schen Tele­kom-Unter­neh­men. Fir­men wie Micro­soft und Hew­let Packard wol­len sich tat­kräf­tig dafür ein­set­zen, dass bis 2015 jedes Dorf ange­schlos­sen ist. Dass sie mit jedem Dorf ver­netzt sind. Immer­hin han­delt es sich um 85 Pro­zent der Welt­be­völ­ke­rung. Welch unaus­ge­schöpf­tes Potential.

Die Visi­on Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft, so ler­nen wir, ist trotz den Chan­cen, die sie bie­tet und der Eupho­rie kei­ne bes­se­re Gesell­schafts­form als die Agrar- oder die Industriegesellschaft.

Host cont­ac­ted. Still wai­ting for reply.

Für Wiss­be­gie­ri­ge:

www.infosociety.ch
www.itu.int/wsis/tunis/newsroom/stats/index.html
Le Mon­de diplo­ma­tique: Atlas der Glo­ba­li­sie­rung (taz­Ver­lag 2003)

Aus der Serie Von Men­schen und Medien
Car­toon: www.fauser.ch

ensuite, Dezem­ber 2005



Newsletter

SPENDEN!

Einen Text gelesen und der hat gefallen? Spende per TWINT ein paar Franken - ohne Abo, aber mit gutem Gewissen. Geht doch auch.